Einführung

1. Unser Einführungstext zum Beginn des Projektes

Von Nicole Bittner (1996/97). Die Inhalte wurden absichtlich nicht aktualisiert.

Link zu Ergänzungen am Ende des Artikels


"Der Mensch ist der einzige unter den Primaten, der die Tötung seiner Artgenossen planvoll, in größerem Maßstab und enthusiastisch betreibt. Der Krieg gehört zu seinen wichtigsten Erfindungen; die Fähigkeit Frieden zu schließen, ist vermutlich eine spätere Errungenschaft. Die ältesten Überlieferungen der Menschheit, ihre Mythen und Heldensagen, handeln hauptsächlich von Mord und Totschlag."

Hans Magnus Enzensberger, Aussichten auf den Bürgerkrieg, 1944

Auch wenn dieses Zitat von 1944 stammt, ist es heute noch aktuell, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat es weltweit bis heute über 195 Kriege und Konflikte gegeben, die Welt war bis heute lediglich 30 (!) Tage ohne Krieg. Die Anzahl der geführten Kriege ist kontinuierlich angestiegen, wie dieses Schaubild zeigt:

Die Bedeutung der Konflikte, in denen kollektive Gewaltanwendungen über einen längeren Zeitraum unterhalb der Kriegsschwelle verbleiben, stehen schon aufgrund der Zahl dieser Fälle außer Frage. Mindestens 20 derartige bewaffnete Konflikte sind derzeit zu dem im vergangenen Jahr geführten 32 Kriegen hinzuzuzählen. Inwieweit die Kampfhandlungen geringerer Kontinuität allerdings ein spezifisches Phänomen der 90er Jahre darstellen, ist weitaus schwieriger zu beurteilen.

189 der über 195 Kriege fanden in nicht industriealisierten Ländern statt:

Afrika 54
Asien / Ozeanien / Australien 54
Vorderer und Mittlerer Orient 42
Lateinamerika und Karibik 32
Europa 12

41 dieser kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten mehr als zehn, 26 mehr als fünf Jahre.

Die Kriege der Nachkriegszeit weichen in ihrer Form allerdings erheblich von den klassischen Kriegen europäischer Herkunft ab. Man kann diese in verschiedene Typen einteilen:

1. Anti-Regime-Kriege (61) => Kampf um den Sturz der Regierung oder Veränderung bzw. Erhalt des politischen Systems oder der Gesellschaftsordnung

2. Autonomie- und Sezessionskriege (51) => Mischformen von beiden (40)

3. Zwischenstaatliche Kriege (32)

4. Dekolonisationskriege (11) => Befreiung von Kolonialherrschaft

Konflikte kann man ebenfalls unterscheiden nach innerstaatlichen, lokalen, regionalen und globalen Konflikten. Die Übergänge zwischen Krieg und bewaffnetem Konflikt, sowie zwischen lokalem, regionalem und globalem Konflikt sind fließend.

Als Ursachen von Kriegen und Konflikten gibt es viele Gründe, wobei es heute kaum noch einen Konflikt gibt, der monokausal ist. Meistens treffen mehrere der folgenden Ursachen aufeinander:

Doch daraus müssen nicht immer gleich Kriege und Konflikte entstehen, oft sind es nur Krisen oder Spannungen, wie die Karte zeigt:

Auch wenn seit dem Ende des Ost-West-Konflikts zwei Staaten untereinander immer mehr auf Gewalt verzichten (1995 waren nur der Krieg Peru-Ecuador sowie die Auseinandersetzung Kroatien-Serbien zwischenstaatliche Kriege), ist es meist schwer, Lösungen zu finden. Zu diesem Zweck war die UNO ursprünglich vorgesehen. Ihre Rolle als "Weltpolizist" kann sie nur spielen, wenn die westlichen Großmächte Geld und Truppen bereitstellen. Ist das nicht der Fall, so ist die UNO machtlos, was man am Beispiel Bosnien sieht, wo die kriegstreibenden Serben erst nach NATO-Luftangriffen zu Friedensverhandlungen bereit waren. Dagegen braucht man bei Territorialfragen, Grenzverläufen, Zugang zu Ressourcen oder der Beendigung von Kolonialherrschaft oft nur Vermittlungsparteien, um die Konflikte zu beenden.

So kommt es auch, daß Kriege immer seltener mit einem formalen, auf dem Völkerrecht beruhenden Frieden beendet werden:

67 durch Sieg oder Niederlage
42 durch Vermittlungsversuche dritter Parteien
16 durch direkte Verhandlungen
11 durch erschöpfungsbedingten Abbruch der Kämpfe
10 Konflikt geht unterhalb der Kriegsschwelle weiter, weil sich an den verursachenden Strukturen nichts geändert hat.

Heute versucht man den Ausbruch eines Konflikts durch vorbeugende Diplomatie internationaler Organisationen zu verhindern.

Solche Kriege bzw. Konflikte haben viele negative Auswirkungen. Nicht nur Millionen Menschen haben Leben, Hab und Gut und ihre Heimat verloren, sondern auch andere Bereiche wie die Wirtschaft der Länder sind betroffen.

Über die Zahl der Opfer gibt es keine zuverlässigen Daten, doch eines ist sicher: die Hauptopfer der Kriege stammen aus der Zivilbevölkerung:

1. Weltkrieg 10 - 15 %
2. Weltkrieg 50 - 60 %
Mehrzahl der Kriege nach 1945

=> je nach Daten, Grundlage und Definition von Krieg und Kriegstoten

=> Verwundete und dauerhaft Versehrte

Auch der Anteil an Kindern in den letzten zehn Jahren ist hoch:

Tote

Verkrüppelte und Verstümmelte

Flüchtlinge

Aus gewohnten Lebensverhältnissen gerissene Menschen

~ 80 - 90 %

zwischen16 und 35 Mio.

~ 60 Mio.

1,5 Mio.

4 Mio.

5 Mio.

> 12 Mio.

Anhand der Tabelle kann man sehen, daß es viele Flüchtlingsbewegungen gibt. 1995 waren weltweit fast 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Die armen Länder des Südens tragen dabei die Hauptlast, da sie die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge aufnehmen.

Die Kriege bzw. Konflikte haben auch erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und Versorgung notleidender Bevölkerungsteile; in vielen Ländern wie Somalia, Ruanda, Sudan oder Sierra Leone kam es sogar zu Hungerkatastrophen.

Auf unseren Konfliktseiten möchten wir über aktuelle, aber auch über in Vergessenheit geratene Kriege und Konflikte, über ihre Ursachen und Auswirkungen und verschiedene Lösungsansätze kurz berichten.


2. Ergänzungen

Literatur zum Thema Kriegsberichterstattung in den Medien

Zu diesem Thema gibt es eine interessante Publikation von Wolf-Rüdiger Wagner mit dem Titel "Bilder vom Tod und Krieg. Kriegsberichterstattung in den Medien. Anregungen für den Unterricht in der Sekundarstufe II." Sie ist als PDF-Dokument zu finden auf den Internetseiten des Niedersächsischen Bildungsservers NiBiS: Direkter Download


Veröffentlichungen des Heidelberger Instituts für internationale Konfliktforschung

An der Universität Heidelberg veröffentlicht das Institut für internationale Konfliktforschung (HIIK) alljährlich (seit 1992) einen Bericht zu den bewaffneten Konflikten auf der Welt. Die Heidelberger Forscher unterscheiden - im Gegensatz zu uns - zwischen Kriegen und bewaffneten Konflikten.

Im Jahr 2016 zählten sie 18 Kriege und mehr als 400 Konflikte. Also eine völlig andere Zählweise als bei uns. In unserer Konfliktliste gibt es nur 49 aufrufbare Konfliktseiten. Nun, als Schulprojekt können wir auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.


Quellen

Rüdiger Dingemann: Krisenherde der Welt - Konflikte und Kriege seit 1945, Westermann Lexikon, 1996

Das Parlament, Bonn, 1996-04-12 / 19; 46. Jahrgang / Nr. 16 - 17

Das Parlament, Zeitungsartikel vom 1999-11-11



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Stand: 2017-03-11
Letzter Bearbeiter: J. Gierich 
Autorin: Nicole Bittner (1996/97). Die Inhalte wurden absichtlich nicht aktualisiert.
Bearbeiter: Kathrin Konz (1997), Christian Boesler / Jörn Rüggeberg / Marc Ossig 1999-11-22
Datei: projekt/kriegein.htm