Aufständische gegen die Machthaber in Syrien

Der politische Umbruch in den nordafrikanischen Staaten im Jahr 2011, der mit Gewalt zum Ende der totalitären Regimes führte, zeigte auch Auswirkungen in Syrien. Aufständische begannen im März 2011 den Kampf gegen die Regierung unter Baschar al-Assad; das Regime schlug mit brutaler Härte zurück. 

Die Welt mischte sich in den inneren Krieg zunächst nicht ein - bis im August 2013 Giftgas gegen die Bevölkerung zum Einsatz kam. Zwar wurden unter internationaler Aufsicht die Giftgasreservoirs vernichtet; jedoch der brutale Kampf geht unverändert weiter.

Die Allianzen veränderten sich, auch unter dem Einfluss des Kampfes gegen den IS, und ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Auch die angrenzenden Staaten mischen sich in das Kriegsgeschehen ein.

Konfliktparteien und Ziele - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Lösungsansätze - Quellen

Konfliktparteien und Ziele:

Aufständische Bürger: wollen das totalitäre Regime beseitigen und eine demokratische Ordnung einführen. Es bildete sich eine "Freie Syrische Armee" (FSA), die auf Waffenlieferungen vor allem über die Türkei zählen kann. Im Laufe der Zeit zersplitterten die Rebellen untereinander. Neben der FSA entstand eine ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien), vornehmlich bestehend aus Ausländern (Iraker, Saudis, Ägypter, Libyer, Tunesier, Tschetschenen und sogar Europäer). Ihr Ziel ist ein islamistisches Kalifat. Seit Juni 2014 traten diese Islamisten als IS (Islamischer Staat) im Irak auf und überzogen Landstriche mit terroristischen Aktionen (vgl. Konfliktseite Islamischer Staat). Syrien gilt als ihr Rückzugsland. Man vermutet, dass die Rebellen in ihrer bedeutungsvollsten Zeit 70.000 bis 100.000 Mann unter Waffen hatten. Der IS und die Al-Nasra-Front zählen zu den radikalisierten Aufständischen.

Regierung unter Baschar al-Assad: will das bestehende Staatswesen bewahren, wird von Milizinären der Hisbollah unterstützt. Russland liefert dem Regime Waffen.

Israel: hat Angst gegen die Verletzung seiner Nordgrenzen und vor der Etablierung Irans im Kampfgebiet.

Türkei: verfolgt als Hauptziel den Sturz Assads. Nach langem Zögern trat der Staat der Allianz gegen den IS bei, aber die türkische Luftwaffe fliegt fast nur Einsätze gegen die PKK  und die YPG in Nordirak und Nordsyrien. Hauptziel der türkischen Regierung ist es, die kurdischen Gruppen zurückzudrängen, sie vor allem von der türkisch-syrischen Grenze entfernt zu halten. PKK und YPG werden als Terroristen angesehen.

Russland: unterhält seit 1971 einen Stützpunkt in Tartus, von wo aus Kampfjets Einsätze fliegen. Als Hauptziel wird die Zurückdränkung des IS genannt, aber in zweiter Linie soll das Assad-Regime bewahrt werden.

Die Golfstaaten, vor allem Saudi-Arabien, wollen Assad beseitigen und unterstützen daher den IS, vor allem mit Geld.

Iran: unterstützt das Assad-Regime mit Kommandeuren und Bodentruppen. Die Hisbollah ist mit 6000 bis 8000 Kriegern in Syrien.

USA: Hauptziel ist die Zerschlagung des IS; dazu wird vor allem Luftunterstützung durchgeführt. Am Boden kämpfen arabisch-kurdische Einheiten der Syrisch Demokratischen Front (SDF).


Konfliktparteien - Ziel - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Lösungsansätze - Quellen

Verlauf:

Fettgedruckte Daten bezeichnen genau das beschriebene Ereignis; normal gedruckte Daten geben die Veröffentlichung in der Presse wieder.

15. März 2011 Beginn des Aufstandes gegen die Regierung: der Tag des ersten landesweiten Protestes gegen die Regierung.
2011-03-30 Regierung unter Ministerpräsident Nadsch Otri zurückgetreten. Als Grund wurden die Proteste der Opposition angegeben. Mehr als 100 Menschen sind dabei ums Leben gekommen.
ab März 2011 Kämpfe Oppositioneller gegen die Regierung, die mit Militärmacht zurückschlägt. zur Detailseite
2012-03-27 Der Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan wurde vom Assad-Regime akzeptiert. Inhalt ist ein sofortiger Waffenstillstand, der Abzug schwerer Waffen aus den Wohngebieten und humanitäre Hilfe für die Bevölkerung. Jedoch gingen die Kämpfe unvermindert weiter. 
2012-04-12 Arbeitsbeginn der UN-Friedenstruppe zur Überwachung des Waffenstillstandes, der jedoch noch nie eingetreten ist.
2012-06-01

Die Rebellen setzten dem Regime eine Frist, nach der sie sich nicht mehr an den Friedensplan gebunden fühlen.
Im UN-Sicherheitsrat lehte Russland weiterhin Strafmaßnahmen gegen Syrien ab.

2012-06-18 Die Friedensmission der Blauhelme wurde wegen der zunehmenden Gewalt ausgesetzt.
2012-06-27 UN-Experten sprachen erstmalig von "Zügen eines nicht-internationalen Konflikts". Das Land ist de facto in einem Bürgerkrieg. Auch Syriens Präsident sagte: "Wir befinden uns im Zustand des Krieges."
2012-06-28 Kofi Annan schlug die Bildung einer Übergangsregierung aus Vertretern des Assad-Regimes und der Opposition vor. Es geschah jedoch nichts.
2012-07-19 Die dritte UN-Resolution gegen Syrien (mit der Androhung von Wirtschaftssanktionen) scheiterte am Veto Chinas und Russlands.
Gerüchten zufolge weilte Baschar al-Assad nicht mehr in Damaskus; seit Tagen sind er und seine Familie nicht mehr gesichtet worden.
Das Militär dünnte sich aus: inzwischen haben sich 20 Generäle und etwa 200 höhere Offiziere in die Türkei abgesetzt; einfache Soldaten desertierten zu Tausenden.
2012-08-03 Kofi Annan erklärte seinen Rücktritt zum Ende des Monats, weil er von keiner Konfliktpartei die Unterstützung bekommen hätte, die er sich gewünscht hätte.
2012-08-17 Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit schloss die Mitgliedschaft Syriens vorläufig aus.
  Zum neuen Vermittler wurde der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi ernannt.
2012-08-28 Der Flüchlingsstrom aus Syrien wurde stärker. 6000 Syrer retteten sich in den Libanon, im grenznahen türkischen Gebiet lebten rund 80.000 Flüchtlinge.
2012-10-05 Syrische Angriffe erfolgten auf türkisches Grenzland, wo etwa 100.000 Flüchtlinge in riesigen Zeltstädten leben. Türkisches Militär schoss zurück. Das Parlament erlaubte der Regierung für die Dauer eines Jahres, bei gegebenem Anlass zurückzuschießen und auch anzugreifen. Allerdings wird deutlich gemacht, dass die Türkei keinen Krieg mit Syrien beginnen will.
2013-05-06 Israel griff in den Bürgerkrieg ein. Weil angeblich iranische Raketen an die libanesische Hisbollah-Miliz geliefert wurden, griffen israelische Kampfflugzeuge ein militärisches Entwicklungszentrum in Dmaskus an. Syrien wertete dies als Kriegserklärung; der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Makdad kündigte "zu gegebener Zeit" eine Vergeltung an.
... Der Libanon wird in den syrischen Konflikt mit hineingezogen, weil sich die Hisbollah offen auf die Seite des Sadat-Regimes gestellt hat. Vielleicht 1200 bis 1500 Hisbollah-Kämpfer sind inzwischen in Syrien; zwischen 75 (Hisbollah-Angabe) und 104 (Angabe der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, London) sind gefallen.
2013-07-15 Der Kampf der Rebellen gegen das Assad-Regie gestaltete sich schwieriger, weil auch die Rebellen untereinander uneinig sind und sich sogar gegenseitig bekämpfen. Al-Kaida-Kämpfer richteten im Juli den FSA-Kommandeur Abu Bassir an einer Straßensperre nahe Latakia hin. Abu Bassis war Mitglied im 30-köpfigen Nationalen Militärrat. Seine Gegner waren Mitglieder der Einheitsfront der Gotteskrieger (ISIS). Diese versuchten auch ein FSA-Waffendepot zu plündern. In Dana wurden bei einer Demonstration gegen Al-Kaida 13 Menschen getötet; als Reaktion fand man Tage später zwei FSA-Krieger mit abgeschnittenem Kopf in einer Mülltonne.
2013-08-21 Vermutlicher Giftgaseinsatz des syrischen Regimes gegenüber Rebellen und Zivilisten. Dabei sind angeblich 1429 Menschen getötet worden, darunter mindestens 426 Kinder. Die vereinten Nationen entsandten zur Untersuchung Chemiewaffenexperten.
2013-08-31 Die UN-Untersuchungskommission beendete ihre Mission. Die USA verkündeten, dass sie sichere Beweise dafür habe, dass Assad für den Giftgaseinsatz verantwortlich war. Sie drohte einen begrenzten Militärschlag an.
2013-09-11 Obamas Absicht, Syrien anzugreifen, fand nur Unterstützung in Frankreich, nicht in der Bundesrepublik, nicht in Großbritannien, nicht einmal im amerikanischen Kongress. In den Vereinten Nationen verhinderten Vetos von Russland und China den Kampfeinsatz. Russland machte dann den Vorschlag, dass der Syrien seine Giftgasbestände unter Aufsicht vernichten solle.
2013-09-13 Die Außenminister der USA, John Kerry, und von Russland, Sergej Lawrow, haben einen Plan zur Vernichtung der Chemiewaffen ausgearbeitet. Der detaillierte Plan soll von der OPCW (Organisation für für das Verbot chemischer Waffen) ausgearbeitet werden.
Assad erklärte in einem Interview seine Bereitschaft zum Beitritt der Chemiewaffenkonvention. Die syrische Opposition lehnt den Vorschlag jedoch ab, weil er das Regime bestätige.
2013-09-27 Der UN-Sicherheitsrat erteilte mit der Resolution 2118 der OPCW den Auftrag, die Vernichtung der Chemiewaffen zu überwachen.
2013-12-14 Die UN-Inspekteure legten ihren Bericht vor: sie bescheinigten den Einsatz von Chemiewaffen an fünf Orten gegen Soldaten und auch gegen Zivilisten.
Folgende Einsätze werden genannt:
19. März - in Khan Al Asal
21. August - in Ghouta
24. August - in Jobar (gegen Soldaten) - in Saraqueb (gegen Zivilisten)
25. August - in Ashrafiah Saynaya (gegen Soldaten)
Anzahl der Opfer und Täter werden nicht genannt; noch immer beschuldigen sich die Aufständigen und das Assad-Regime gegenseitig.
Januar 2014 Friedenskonferenz in Genf (Schweiz), leider ohne Erfolge. Die Kämpfe gehen weiter...
16. Februar 2014 Lakhdar Brahimi, der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, erklärte, dass es nach zwei Gesprächsrunden keine dritte geben wird.
2015-09-30
Russland griff mit Bomberangriffen in den syrischen Krieg ein.
2015-10-06
Israels Luftwaffe flog seit geraumer Zeit Angriffe im Grenzgebiet Syriens und des Libanon, um die Lieferung von Waffen an die schiitische Hisbollah-Miliz zu unterbinden. Nun begannen die Generalstäbe Russlands und Israels ihre Luftaktivitäten zu koordinieren.
2015-10-07
Das Assad-Regime startete eine Bodenoffensive im Norden von Hama, unterstützt von der russischen Luftwaffe. Details...
2016-02
Sicherheitskonferenz in München. Bemühungen um eine Feuerpause. Nach der Konferenz bemühten sich die USA und Russland in bilateralen Gesprächen weiter und boten den Konfliktparteien eine Feuerpause an, die um Mitternacht zum 27. Februar (Ortszeit) beginnen sollte. Die syrische Regierung, die Opposition, die Kurden-Miliz YPG und weitere Rebellen stimmten zu, so dass die Feuerpause tatsächlich beginnen konnte. Das folgende Wochenende war nahezu kampffrei. (Nicht beteiligt an der Feuerpause waren der sog. Islamische Staat und die Al-Nusra-Front.)
2016-03
Die Waffenruhe hielt weitgehend; nur vereinzelt kam es zu Artilleriegefechten. In Genf begannen am 14. März neue Verhandlungen am Genfer UN-Sitz unter Leitung des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura. Größter Streitpunkt ist die Zukunft von Assad.
Russlands Präsident Putin ordnete am 14. März einen Teilabzug russischer Soldaten aus Syrien an, der tatsächlich schon einen Tag später begann. Ein paar Soldaten mit schätzungsweise zwanzig bis dreißig Flugzeugen und Hubschraubern blieben aber in Syrien zum Schutz der russischen Stützpunkte in Tartus und Latakia und zum Kampf gegen den Islamischen Staat.
2016-04
Aus Protest gegen die Verletzungen der Waffenruhe reiste das hohe Verhandlungskommitee (HNC) der syrischen Opposition aus Genf ab.
2017-07-09 Eine Waffenruhe trat in Kraft. Sie wurde von den USA, Russland und Jordanien am Rande des G20-Gipfels beschlossen.
2018, Februar Nachdem der IS weitgehend zurückgedrängt wurde, brechen die Konflikte zwichen der bisherigen Anti-IS-Allianz neu auf. Israel führte massive Militäraktionen gegen iranische und syrische Militäreinrichtungen durch, nachdem über den Golan-Höhen eine - angeblich - iranische Drohne abgeschossen wurde. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten daraufhin die zentralsyrische Luftwaffenbasis T4 in der Provinz Homs.
Bei Kämpfen um die Enklave Afrin verlor die Türkei elf Soldaten und einen Hubschrauber. Türkische Truppen besetzten mehrere Posten in der Rebellenprovinz Idlib.

Konfliktparteien und Ziele - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Lösungsansätze - Quellen

Das Waffenproblem

Krieg führen kann man nur mit Waffen und Munition. Je länger ein Krieg dauert, desto mehr stellt sich die Frage nach der Herkunft und Nachlieferung des Kriegsgeräte. USA, Europa und Israel versuchen, die Waffenverkäufe nach Syrien zu stoppen. Russland liefert moderne Flugabwehrraketen, angeblich damit sich Syrien gegen einen Angriff von Israel verteidigen kann.

Nachdem die EU auf Sitzungen im Mai 2013 keinen Konsens bzgl. eines Waffenembargos gefunden hat, kann jedes Land selbst darüber entscheiden. Frankreich und Großbritannien haben angekündigt, "unter Umständen"  Waffen an die Rebellen zu liefern. Deutschland wird dies nicht tun, aber es ist geplant, schusssichere Westen und Sanitätsmaterial an die Rebellen zu liefern.

Von August bis September 2015 verdichteten sich die Hinweise, dass russisches Kriegmaterial in Syrien eingesetzt wird, auch russische Soldaten sollen im Land sein. Russland dementiert die Beteiligung russischer Soldaten an Kampfeinsätzen, gesteht aber ein, dass russische Instrukteure Assads Truppen in russisches Kriegsmaterial einweisen. Die USA warnte Russland davor, mit diesen Aktionen den Krieg zu eskalieren. Russland erklärt seine Aktionen mit der Absicht, Assads Truppen im Kampf gegen den IS zu unterstützen.

Die USA unterstützen die Rebellen mit Waffen. Im Oktober 2015 haben Transportflugzeuge mehr als 50 Tonnen Waffen im Norden Syriens abgeworfen - für die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG. Die USA betreiben auch Drohnenflüge über dem Kriegsgebiet.

Beweise für Folterungen

Ein 31-seitiges Memorandum wurde dem US-Sender CNN und der britischen Zeitung Guardian zugespielt. Drei ehemalige Ankläger der syrischen Justiz beschuldigen in der Schrift das Assad-Regime, Verhaftete zu foltern und zu töten. Sie stützen sich auf 55.000 Fotos von insgesamt 11.000 Opfern. Ein übergelaufener Fotograf hat 27.000 Fotos aus Syrien herausgeschmuggelt.

Folgen und Auswirkungen

Bis zum Juni 2012 sind seit Beginn der Auseinandersetzungen nach UN-Angaben mehr als 10.000 Menschen gestorben; die syrische Opposition spricht von 14.000 Toten. Etwa 30.000 Syrer haben sich in Jordanien in Sicherheit gebracht; ähnlich viele leben in Notunterkünften auf türkischer Seite in Zelten. Mitte August 2012 befanden sich dann schon etwa 65.000 Syrer in der Türkei. Insgesamt sollen etwa 170.000 Syrer ihr Land verlassen haben.

Täglich sterben etwa 100 bis 200 Menschen in Syrien.

Ende August wurden mehr als 30.000 Todesopfer gemeldet. (SwPr/HT 2012-10-29)

Die syrische Armee, zu Beginn des Krieges aus 320.000 Soldaten bestehend, hat inzwischen (August 2012) etwa 50.000 Verluste zu verzeichnen (Tote, Verwundete und 2000 bis 3000 Überläufer zur Opposition).

Flüchlingszahlen von Anfang November 2012: 362.000 Flüchtlinge in angrenzenden Ländern. 1,2 Millionen Flüchtlinge in Syrien selbst. (SwPr/HT 2012-11-03)

Zu Beginn des Jahres 2013 herrschte in Syrien die schwerste Hungerkrise seit Jahren. In Syrien selbst benötigen 4,25 Millionen Vertriebene humanitäre Hilfe; im Ausland leben mehr als 1 Million Flüchtlinge. Oft gelangen die Helfer nicht zu den Not leidenden Menschen, weil Straßensperren der Armee oder der Rebellen die Wege blockieren. Jede Woche benötigt das UN-Welternährungsprogramm (WFP) 19 Millionen Dollar für ihren Einsatz. (SwPr/HT 2013-05-06)

Auf beiden Seiten herrscht brutale Grausamkeit. Es wird befürchtet, dass auch nach einem Ende des Konfliktes der Hass zwischen den Regime-Soldaten und den Rebellen so groß ist, dass eine Versöhnung ausgeschlossen sein wird. (SwPr/HT 2013-05-16)

Jeden Tag verlassen rund 5000 Syrer ihr Heimatland.  2012 vermutete man 230.000 Flüchtlinge, im September 2013 schätzte man 2,3 Millionen.  Im Libanon leben inzwischen 716.000 Flüchtlinge, in der Türkei und Jordanien jeweils rund eine halbe Million, im Irak etwa 160.000 (SwPr/HT 13-09-04).

Bilanz im Januar 2014: seit Frühjahr 2011 mehr als 136.000 Tote, darunter 48.000 Zivilisten (SwPr 2014-02-03).

Februar 2014: Vor Beginn der Kämpfe hatte Syrien 22,5 MillionenEinwohner. Bislang haben mindestens 140.000 Menschen ihr Leben verloren. Nahezu zehn Millionen sind auf der Flucht.

Bilanz im März 2014: Etwa 2,5 Millionen Menschen sind nach Libanon, Türkei, Irak, Jordanien und Ägypten geflohen. Sieben bis acht Millionen irren innerhalb des Landes zwischen den Fronten herum.

5,5 Millionen Kinder sind von den Kampfhandlungen betroffen, 1,2 Millionen davon sind in die Nachbarländer geflüchtet. Ein Fünftel aller syrischen Schulen ist entweder zerstört, beschädigt oder für militärische Zwecke liquidiert worden.

"Syrien geht uns alle an" - aus einem Kommentar in der Südwest Presse vom 2014-07-12

Viele haben sich den Diktator Assad weggewünscht, nicht nur Syrer, auch Europäer. Nun herrscht in Syrien ein furchtbarer Bürgerkrieg, aber mit den Folgen sind nur wenige Länder bereit zu leben: Deutschland hat zugesagt, weitere 10.000 Syrer aufzunehmen - Frankreich tut nichts dergleichen. Die Türkei erlaubt weiterhin Tausenden über die Grenze in ihre überfüllten Auffanglager zu flüchten. Jordanien, arm, klein und wüstenreich, teilt ihre wenigen Wasservorräte mit 600.000 Flüchtlingen. (Originaltext von Tanja Wolter; vom Bearbeiter zusammenfasst)

August 2014:

Mehr als drei Millionen Menschen wurden aus Syrien vertrieben. 

August 2014:

Die Nachbarländer Syriens haben mit den gewaltigen Flüchtlingsströmen zu kämpfen.
Jordanien hat seit Beginn des Bürgerkriegs 650.000 Flüchtlinge aufgenommen. Die Bevölkerung ist damit um mehr als 10 % gewachsen, in den Kliniken stiegen die Patienten um 250 %, die Nachfrage nach Wasser – in einem Land das zu den vier Wasser ärmsten der Welt zählt – hat sich um 16 % erhöht.
Libanon: die Einwohnerzahl hat sich um mehr als 1 Million Menschen vermehrt, damit ist die Bevölkerung fast um ein Drittel angewachsen.
Die Türkei hat 200.000 Flüchtlinge aufgenommen.
Die europäische Union (E) hat ebenfalls 200.000 Flüchtlinge aufgenommen. Die EU wird weitere finanzielle Unterstützungen anbieten. Deutschland sagte für die nächsten drei Jahre eine halbe Milliarde Euro zu.

März 2015:

210.000 Menschen sind tot, davon allein 76.000 im Jahr 2014.

450.000 Menschen sitzen in den Kerkern des Staates (lt. Angaben der Syrischen Menschenrechtsliga).

20.000 Menschen sind spurlos verschwunden.

Wohnviertel, Fabriken, Krankenhäuser, Schule, Straßen und Brücken liegen in Trümmern. Nachts kann man aus der Luft beobachten, dass in 83 Prozent des Landes keine Lichter mehr leuchten, weil die Stromversorgung zusammengebrochen ist. Die Menschen leben im Dunkeln ohne Heizung; die Nahrungsmittelversorgung ist nicht gewährleistet.

Nachdem die USA eingesehen haben, dass das Regime Assads von den Aufständischen nicht besiegt werden kann, scheinen sie einzusehen, dass Gespräche mit Assad aufgenommen werden sollen, um ihn zu bewegen, eine politische Lösung zu suchen.

September 2015: Die Hälfte der 23 Millionen Zuhörer lebt nicht mehr in Ihrem Heimatland, sondern irrt in der Welt umher. Eine UN-Dokumentation zur Lage im syrischen Bürgerkrieg schreibt, dass fast die gesamte Zivilbevölkerung Opfer von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwersten Menschenrechtsverletzungen geworden sei.

Dezember 2015: Die Bilanz der russischen Luftangriffe ist nicht sehr positiv. Man wirft der russischen Luftwaffe vor, Infrastruktur, medizinische Einrichtungen und Zivilisten zu bombardieren. Auch der syrische Rebellenführer Sahran Allusch soll bei einem russischen Raketenangriff getötet worden sein. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Sitz: Großbritannien) erklärte, dass seit Ende September durch die russischen Luftangriffe 2371 Menschen getötet wurden, darunter 655 Kämpfer des IS und 924 Kämpfer der islamistischen Al-Nusra-Front und anderer Rebellengruppen, aber auch rund ein Drittel Zivilisten. Unter den zivilen Opfern seien 180 Kinder und 116 Frauen. (Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netz aus Ärzten und Aktivisten vor Ort drückt.)

Februar 2016: Unter Berufung auf die syrische Organisation SCPR schätzt man mittlerweise 470.000 Opfer, darunter handelt es sich um 400.000 direkte Tötungen. 70.000 sind an Kriegsfolgen gestorben.

August 2016: In der jordanischen Wüste leben in dem Flüchtlingscamp Zaatari 80.000 Syrer. Zaatari hat schnurgerade Straßen zwischen den 24.000 Wohncontainers, zwei Krankenhäuser und neun Schulen mit über 20.000 Schülern. In ganz Jordanien sind 657.203 Flüchtlinge registriert, aber - so schätzt die UN - vermutlich leben 1,3 Millionen geflüchtete Menschen in Jordanien. Das jordanische Königshaus schätzt ihre Kosten auf 11,5 Milliarden Euro.

Oktober 2016: Seit Kriegsbeginn sind etwa 270 Krankenhäuser, Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen zerstört oder beschädigt worden. Rund 60 Prozent aller öffentlichen Krankenhäuser sind geschlossen worden oder funktionieren nur noch teilweise. Mehr als 750 Ärzte, Krankenpfleger und anderes Gesundheitspersonal sind getötet worden (nach einer Mitteilung der Uno).

Juli 2017: Im ersten Halbjahr 2017 sind über 440.000 Menchen in ihre Städte und Dörfer zurückgekehrt, nachdem sie innerhalb Syriens auf der Flucht waren. Aus den Nachbarländern kehrten knapp 300.000 zurück, um nach Angehörigen zu suchen oder ihr Eigentum zu sichern (Mitteilung des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR).

März 2018: Seit Beginn des Bürgerkrieges sind nachweislich mehr als 350.000 Menschen um Leben gekommen, darunter mehr als 105.000 Zivilisten (nach einer Mitteilung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte). Nach Schätzungen soll die tatsächliche Zahl der Toten bei mehr als 500.000 liegen.


Konfliktparteien und Ziele - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Lösungsansätze - Quellen

Lösungsansätze:

Ende Oktober 2015: Syrien-Gipfel in Wien. 17 Teilnehmerstaaten und Vertreter der EU und der UN haben sich für folgende Ziele ausgesprochen:


Konfliktparteien und Ziele - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Lösungsansätze - Quellen

Quellen:

Haller Tagblatt: 2011-03-30, -08-01, -08-06
2012-03-28,
2012-06-01-, -02, 04, -05, -19, -28
2012-07-20
2012-08-03, -04, -13, -17, -18
2012-10-05, -10-29
2012-11-03
2013-05-06, -16, -05-22, -05-15, -05-25, -05-27, -05-28, -05-29
2013-07-15
2013-08-31
2013-09-04, -09-11, -09-16, -09-30
2013-12-14
2014-01-22
2014-02-09. -02-17
2014-03-15, -03-17
2014-07-12
2014-08-30
2014-10-29
2015-03-14, -03-16
2015-09-05, -07, -15, -16, -30
2015-10-06, -07, -14, -31
2016-02-12, -13, -20, -23, 26, -29
2016-03-05, -12, -15, -16
2016-04-07, -04-30
2016-07-30
2016-08-16
2016-09-14, -27
2017-07-01, -10
2018-02-12, -22
2018-03-13



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