Schwere Unruhen in Algerien

Seit 1992 wurden mehr als 70.000 Menschen Opfer von Anschlägen in Algerien. Dies bewirkte eine Erschwerung des wirtschaftlichen Aufschwungs und eine Verzweiflung gegenüber der Regierung.

Beginn - Ursachen - Konfliktparteien - Verlauf - Folgen - Lösungsansätze - Quellen

Beginn:

Mitte des Jahres 1988 ereigneten sich schwere Unruhen, ab 1991 fanden Kämpfe und heftige Straßenschlachten statt.


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Ursachen:

Wirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise und der sich ausbreitende islamische Fundamentalismus.


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Konfliktparteien und ihre Ziele:

Islamische Gruppen: Schätzungen gehen von 600 Gruppen mit 10 bis mehreren hundert Mitgliedern aus, die größte Gruppe ist die "Bewaffnete Islamische Gruppe" (GIA) = "Kampf gegen den Staat".
Ziel: Schaffung eines islamischen Staates.

Der Staat: Beendung des Konfliktes mit Gewalt, wirtschaftliche Annäherung an die EU bzw. an die USA sowie Eindämmung des islamischen Fundamentalismus.

Die FIS: religiöse Partei, gebildet 1989; Sieger der Kommunalwahlen; Verbot dieser Partei; 1993 Gründung der Kampftruppe AIS (Islamische Armee des Heils).


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Verlauf:

1988 Schwere Unruhen Mitte des Jahres
1991 Unruhen, heftige Straßenschlachten und Terror gegen militärische Ziele
Bei Kommunalwahlen zeichnet sich ein Sieg der FIS (religiöse Partei "Islamische Heilsfront") ab. Der Gründer und Präsident der FIS wurde festgenommen, weil er im algerischen Krieg für die Unabhängigkeit kämpfte.
1992 Annullierung der Kommunalwahlen, Verbot der FIS -> Anfang des Bürgerkriegs
Seit Anfang dieses Jahres wurden mehr als 70000 Menschen Opfer dieser Anschläge.
1993 ereigneten sich Angriffe bzw. Bombenanschläge, die meist von GIA-Anhängern (Zusammmenschluss aus freigelassenen Fundamentalisten, Armee-Deserteure, jungen Arbeitslosen und Kriminellen; 5000-6000 Sympatisanten unterstützen diese Gotteskrieger) gegen Zivilisten ausgeführt worden.
1997 Am 5. Juni Parlamentswahlen - weiterhin schweigen die staatlichen Zeitschriften über die Taten, nur das private Blatt "El Watan" bringt neue Meldungen.

Im Juli ereignete sich eine Welle von Terrorakten im Großraum Algier, wobei 29 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Behörden der Stadt haben verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an öffentlichen Plätzen angeordnet. Künftig sind Durchsuchungen von Kunden und Besuchern auf Märkten, in Sportstadien, Restaurants sowie in Bussen oder Kinosälen angeordnet. Diese Orte waren in den vergangenen Tagen wiederholt Ziele von blutigen Anschlägen. Angesichts der beginnenden Ferienzeit sollen künftig auch die Strände stärker bewacht werden als in den Jahren zuvor.

Überfälle und Massaker hören nicht auf: lesen Sie die traurige Chronologie der Ereignisse.

Abassi Madani, Gründer der islamischen Heilsfront (FIS), wurde am 16. Juli aus der Haft entlassen; der erste Versuch der Regierung das Land zu befriedigen.

Anfang August hat der algerische Premierminister Ouyahia versprochen, die Gewalt im Land zu beenden. Alles nur leere Worte, denn seit dieser Zeit ist der Terror noch schlimmer geworden.

Anfang September gehen die Bürger zur Selbstverteidigung über. Sie bewaffneten sich mit Äxten und Schlagstöcken.

Außerdem überfallen moslemische Extremisten Dörfer und Vororte von Algier und schneiden Frauen und Kindern im Namen des Propheten die Kehle durch. Erst Stunden nach den Massakern mit Hunderten von Toten treffen die Sicherheitskräfte an den Schauplätzen der Verbrecher ein.

Die FIS hat alle Kämpfer zu einer Waffenruhe ab dem 1. Oktober 1997 aufgerufen.

1998 Die Auseinandersetzungen gehen weiter. Lesen Sie die Fortsetzung der Chronologie der Ereignisse.
2000 Mehr als 1100 Mitglieder der Untergrundorganisation Islamische Armee des Heils (AIS) haben im Osten Algeriens das Amnestieangebot von Präsident Abdelaziz Bouteflika angenommen. Die Rebellen stellten nach Ablauf des Ultimatums die Kämpfe ein und gaben die Waffen ab. Mit dem Abkommen soll der langjährige Bürgerkrieg in Algerien beendet werden.

Im Dezember erreicht der blutige Terror muslimischer Extremisten wie in den vergangenen Jahren während des Fastenmonats Ramadan seinen Höhepunkt. Bei einer Welle von grausamen Massakern werden mehr als 200 Menschen umgebracht.

2001 Bei den Unruhen zwischen Berbern und Sicherheitskräften in Algerien sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Die Kabylen oder Berber, die ein Fünftel der 31 Millionen Einwohner Algeriens stellen, sehen sich durch die arabische Mehrheit diskriminiert und fordern mehr Anerkennung. Die Partei für Kultur und Demokratie verließ aus Protest gegen das Vorgehen der Behörden in dem Konflikt die Regierungskoalition in Algier.
2002 Am 30. Mai fanden in Algerien seit mehr als zehn Jahren die ersten Parlamentswahlen statt. Die Regierung in Algerien hoffte, mit der Parlamentswahl mehr Ruhe ins Land zu bringen.

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Folgen und Auswirkungen:


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Lösungsvorschläge:

Bisher zeichnet sich bei den Konfliktparteien keinerlei Kompromissbereitschaft ab. EU-Diplomaten fordern eine internationale Konferenz über Algerien, jedoch lehnt die algerische Regierung strikt jede Einwirkung von außen ab. Zwischen den USA und Frankreich, der ehemaligen Kolonialmacht, finden Gespäche über ein gemeinsames Vorgehen statt. Allerdings ist auffällig, dass sich Frankreich sehr in Zurückhaltung übt.

Im Januar 1998 wollte die EU eine Delegation entsenden, die aber - trotz vorheriger Zusage - dann kurzfristig von der algerischen Regierung wieder ausgeladen wurde. Die Entsendung einer neuen Delegation ist geplant.


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Quellen:

IAP 10/97, 1/01

Focus Nr. 16, 1994-04-18

KM: Mai 1996

Rundschau: 1996-12-05

Afrika, "Von Kairo bis Kapstadt", "Das Bild unserer Welt", 1992 ADAC Verlag München

Haller Tagblatt: 1997-1998 (weitere Angaben auf der Seite mit den Einzelereignissen), 2001-08-14, 2001-05-03



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Stand: 05-03-11/corr. 2007-08-26
Letzte Bearbeiter: GiJ, Evelin Lehmann
Ursprungsautor: Tobias Miladinov
Bisherige Bearbeiter: Manuela Lüdemann, Hexe, Steffi Gröner, JG, M. Ossig (2000), Olga Fuhrmann, Hanna Wolf (2003), Yvonne Rieger (05), Katrin Seubert (05)
Grafik: "Unsere Erde" von Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: algerien/algerien.htm