Krieg gegen den Terror:

USA und NATO gegen AFGHANISTAN

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 holten die USA zum Gegenschlag aus. Um den Terrorismus zu bekämpfen, Osama bin Laden zu fassen und die Taliban zu schwächen, griffen sie Afghanistan an. 
Mit der Wahl des ersten afghanischen Präsidenten (2004) war der erste Schritt zur Autonomie Afghanistans gemacht; jedoch blieb die internationale Schutztruppe Isaf weiter im Lande und sorgte für Sicherheit und Aufbauarbeiten.
Im Dezember 2014 wurde der Kampfeinsatz offiziell beendet.

Konfliktparteien - Ziel - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Quellen

Konfliktparteien:

Die Taliban: Die Taliban haben ihre Wurzeln in den Koranschulen Pakistans. Die dort unterrichteten Männer werden Taliban genannt. Die Koranschulen dienten als soziale Basis für Arme und afghanische Flüchtlinge. Sie werden kostenlos in Religion unterrichtet und bekommen Kleidung und Nahrung. Außerdem werden sie aus politischen Gründen auch militärisch ausgebildet. Wer gegen die strengen Regeln der Taliban verstößt, muss mit einer strengen Bestrafung rechnen.

Die USA: Die USA ist die Weltwirtschaftsmacht. Die Angriff am 11. September haben den USA bewusst gemacht, wie verletzbar sie sind.

NATO (North Atlantic Treaty Organization): Organisation der Signatarmächte des Nordatlantikpakts, Verteidigungsbündnis

Als internationale Schutztruppe ist die Isaf (International Security Assistance Force) installiert. In ihr leisten 2100 deutsche Soldaten ihren Dienst. Zu den Aufgaben zählt die medizinische Versorgung und die Wiederaufbau.


Konfliktparteien - Ziel - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Quellen

Ziel:

Bekämpfung des internationalen Terrorismus


Konfliktparteien - Ziel - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Quellen

Verlauf:

11. September bis
16. September 2001
Nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA gilt Osama bin Laden als der Hauptverantwortliche. Der arabische Millionär bin Laden, der sich zu dieser Zeit in Afghanistan aufhielt, hatte schon mehrere Anschläge verüben lassen und ist für seine Antipathie gegenüber Amerika bekannt. Bereits 1993 ließ Osama bin Laden durch seine Terrorgruppe El-Kaida einen Anschlag auf das World Trade Center, ebenso wie 1999 auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia, verüben.
Die USA hingegen drohten mit massiven Gegenschlägen gegen die Terroristen und das Land, das solche beherberge. Eine weitere schockierende Tatsache für die USA war, dass die CIA, das FBI und die NSA nichts von so einer groß angelegten Aktion mitbekommen hatten.
17. September bis
23. September 2001
Die vorausgegangene Woche hatte North entschieden, dass Australien zur Aufnahme der Afghanistan-Flüchtlinge verpflichtet sei. Hiergegen hatte die australische Regierung sogleich Berufung eingelegt. Mit einem Mehrheitsvotum entschied das Gericht nunmehr, dass die politische Führung rechtmäßig gehandelt habe, als sie Afghanistan-Flüchtlinge vor rund drei Wochen den Zutritt auf australischen Boden verweigerte.
24. September bis
30. September 2001
Ein amerikanischer Angriff auf Afghanistan wurde immer wahrscheinlicher. Nach US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld positionierte die USA ihre Truppen an verschiedenen Orten der Welt um jederzeit angreifen zu können. Was zur Verwirklichung der Ziele dienen sollte:
1. Die Ausschaltung Osama bin Ladens und anderer mutmaßlicher Terroristen
2. Die Schwächung der Taliban
Beweise, dass Osama bin Laden wirklich die Verantwortung für die Terroranschläge trägt, wollte US-Außenminister Collin Powell so schnell wie möglich vorlegen.

In ihrem Kampf gegen den Terrorismus erhielt die USA volle Unterstützung von Pakistan. Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan boten den USA ebenfalls ihre Unterstützung an. Russland stellte Luftkorridore für humanitäre Hilfsaktionen zur Verfügung.
Im Zuge der Antiterror-Koalition wurden auch die Sanktionen, wegen Bruch des Atomteststop-Vertrags, gegen Pakistan und Indien aufgehoben.

Auch in Afghanistan liefen Kriegsvorbereitungen. Mullah Abaidullah, Verteidigungsminister der Taliban sagte, er habe 300.000 im Dschihad erfahrene Kämpfer und die ganze Nation sei angewiesen worden, sich auf den Heiligen Krieg vorzubereiten. Die Truppen der Nordallianz rüsteten ebenfalls auf und wurden dabei von Russland mit Waffen unterstützt.

1. Oktober bis
7. Oktober 2001
Erstmals in ihrer Geschichte hatte die NATO den Bündnisfall festgestellt. Die Terroranschläge in den USA wurden als Angriff auf die gesamte Allianz gewertet. Der US-Sonderbotschafter Francis Taylor unterrichtete die Verbündeten in einer geheimen Sitzung des Nordatlantikrates. Danach stand für die gesamte Allianz fest, dass alle Spuren der Attentäter ins Ausland führten - zu Osama bin Laden, in das von den Taliban beherrschte Afghanistan.
Während dessen hat der britische Premier Tony Blair die Taliban in Afghanistan zur Auslieferung von Terroristen in ihrem Land aufgefordert.
8. Oktober bis
14. Oktober 2001
Der bevorstehende Winter und der Fastenmonat Ramadan drohten den Einsatz in Afghanistan zu erschweren. Sollten die Angriffe auch während des Heiligen Monats der Moslems andauern, könnten muslimische Staaten aus der Anti-Terror-Allianz herausbrechen.
Dessen ungeachtet kündigte der amerikanische Generalstab an, dass die Taliban sich in den kommenden Monaten auf weitere Angriffe aus der Luft und durch Bodentruppen vorbereiten müssen.
Die Amerikaner versicherten, dass es sich um gezielte Schläge gegen das Netzwerk des Terroristen Osama bin Laden sowie gegen militärische Ziele der Taliban handelte und nicht um einen Kampf gegen die Zivilbevölkerung.
Mit Luftangriffen gegen Einrichtungen in Kabul, Kandahar und kleinere Städte hatten die USA und Großbritannien zum Auftakt der Anti-Terror Offensive ein klares Zeichen gesetzt. Nach den Bomben sollten, so die US-Pläne, große Mengen von Nahrungsmitteln von Flugzeugen aus abgeworfen und zum Teil mit Lastwagen zu der hungernden Bevölkerung in den Flüchtlingslagern, aber auch nach Afghanistan selbst, gebracht werden.
15. Oktober bis
21. Oktober 2001
Der amerikanische Außenminister Collin Powell schloss nicht aus, dass die Taliban an einer künftigen afghanischen Regierung teilnehmen könnten. Powell begründete seine Aussage damit, dass der Begriff "Taliban" nicht nur das Regime, sondern eine größere Bevölkerungsgruppe umfasse, die durchaus an der Regierung beteiligt werden könne.
Eine Woche nach Beginn der US-Luftangriffe in Afghanistan hatte das Pentagon erstmals einen Fehlschlag mit zivilen Opfern eingeräumt. Trotzdem wollten die USA ihr militärisches Engagement in Afghanistan erheblich verstärken. Im Süden des Landes waren amerikanische Spezialkommandos gelandet.
22. Oktober bis
28. Oktober 2001
Die USA setzten im Kampf gegen den Terrorismus auch auf Mord: Präsident Bush hatte dem Geheimdienst CIA befohlen, Osama bin Laden aufzuspüren und zu töten sowie seine Organisation El-Kaida zu zerschlagen.
Bei dem erstmaligen Einsatz von US-Spezialkommandos im Inneren Afghanistans waren in der Nacht zum Samstag nahe der Stadt Kandahar Soldaten mit Fallschirmen abgesprungen und hatten einen Stützpunkt der Taliban-Miliz angegriffen. Dabei wurden mehrere Taliban-Kämpfer getötet oder verletzt.
29. Oktober bis
4. November 2001
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld machte nur ungenaue Angaben über die Lage in Afghanistan und erzählte dazu nichts Neues.
Die Luftangriffe seien erfolgreich gewesen. Die Luftwaffe habe gute Fortschritte gemacht. Der Antiterrorkrieg könne aber noch lange dauern.
5. November bis
11. November 2001
Der arabisch-sprachige Fernsehsender Al Dschziuka strahlte ein Video von Osama bin Laden aus, in dem er erneut zum heiligen Krieg gegen die USA aufrief. Im weiteren Verlauf dieser Woche drohte er in einem Interview den USA mit dem Einsatz von atomaren und chemischen Waffen, falls die USA eben diese Waffen gegen ihn verwenden sollten.
Die politischen Führer aus aller Welt hingegen bekräftigten nochmals ihre Bereitschaft, den internationalen Kampf gegen den Terror zu führen. Jedoch wurde viel Kritik an der Vorgehensweise der USA geübt, die den Terror nur mit Gewalt bekämpfen wollte. Einige sprachen sich dafür aus, dass die Ursachen für Terrorismius beachtet und behoben werden müssten,wie der Terrorismus selbst. Das Ergebnis der jüngsten Konferenz (dort tagten die Außenminister der arabischen Staaten, um über den Krieg zu debatieren) in der syrischen Hauptstadt Damaskus lautete: Osama bin Laden sei ein "Feind der Welt".
Die Außenminister verlangten eine Unterbrechung der Angriffe. Ein Grund stellte der Fastenmonat Ramadan dar.
Die arabische Liga wollte sich am Kampf gegen Amerika und deren Verbündeten beteiligen.
12. November bis
18. November 2001
Nach der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif war die afghanische Nordallianz weiter auf dem Vormarsch. Ihren Einmarsch in Kabul lehnten die USA jedoch ab.
Erstmals setzten die USA nach Medienberichten auch eine Benzinbombe vom Typ "Daisy Cutter" ein. Diese Bombe von der Größe eines VW-Käfers wurde schon im letzten Jahr des Vietnamkriegs abgeworfen und kann eine Fläche im Umkreis von 500 Metern in Brand setzen.

Wo ist Osama bin Laden? Diese Frage war auch eine Woche nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes in Afghanistan noch nicht beantwortet. Mit dem unaufhaltsamen Vormarsch der Nordallianz nahm die Zahl der möglichen Verstecke bin Ladens immer weiter ab.
Die Taliban hatten den Vereinigten Staaten trotz weiteren Verlusten den "Kampf bis zum Tod" angesagt.

19. November bis
25. November 2001
Nach dem Zusammenbruch der Taliban-Herrschaft in Afghanistan nahmen Wegelagerei und Plünderungen wieder zu. Bewaffnete Banden raubten UN-Konvois aus. Niemand war mehr sicher.

Die Rückkehr des Präsidenten Rabbani, der sich in Kabul zum afghanischen Staatsoberhaupt erklärt hatte, weckte Sorgen, dass die Nordallianz politische Tatsachen schaffen wollte.

19. November 2001: Knapp eine Woche nach der Einnahme von Kabul verschärfte sich der Machtkampf in Afghanistan. In mehreren Städten des Landes hatten einzelne Kommandeure die Kontrolle an sich gerissen. Vor Kabul hatten schiitische Führer (Schiiten: die kleinere der beiden Hauptgruppen des Islams) tausende Kämpfer versammelt um ihrer Forderung nach einer Regierungsbeteiligung Nachdruck zu verleihen.
Die von den Vereinten Nationen vertretene Idee einer breit angelegten Übergangsregierung stießt bei großen Teilen der Nordallianz auf Ablehnung.
Dazu kam noch die Frage, ob sich die Situation der Frauen in Afghanistan nach dem Ende des Taliban-Regimes bessern würde. Dies ist jedoch zweifelhaft, trotz der Tatsache, dass Frauen an der Afghanistan-Konferenz teilnehmen durften.

26. November bis
2. Dezember 2001
Die USA setzten erstmals Bodentruppen in Afghanistan ein. Die Soldaten hatten den Auftrag, bin Laden zu fangen. Er sollte sich nach Angaben der Nordallianz bei Kandahar befinden. Durch die Aufgabe immer mehr Taliban-Kämpfer rückte die Politik in den Vordergrund.
Die Afghanistan-Konferenz hatte sich auf eine Übergangsregierung geeinigt. Sie sollte das vom Krieg zerstörte Land regieren. Politiker in aller Welt warnten unterdessen vor Militärschlägen gegen den Irak. Den USA wurde vorgeworfen, die Hilfsanstrengungen für Afghanistan nicht ernst zu nehmen. Die Hilfe werde durch "Kommunikationsprobleme" beim US-Militär behindert.
Die USA und 21 andere Nationen hatten sich in Washington darauf verständigt, Milliarden Dollar für den Wiederaufbau Afghanistans bereitzustellen. Einzelheiten wurden jedoch nicht festgelegt.
Die Verhandlung zur Bildung einer Übergangsregierung in Afghanistan fanden in Berlin oder näherer Umgebungen statt. Mehr als ein Dutzend bewaffnete Gruppen, Parteien, ethnische und religiöse Ströhmungen, die teils heftig verfeindet sind, sollten sich unter Vermittlung der UNO auf eine Regierung verständigen.
Die USA hatten eine Belohnung von 25 Millionen Dollar auf den Kopf Osama bin Ladens ausgesetzt.
3. Dezember bis
9. Dezember 2001
Für die USA war mit der Entmachtung des Taliban-Regimes das Kriegsziel in Afghanistan noch nicht erreicht. Für die führenden Köpfe sollte es kein Entkommen geben. Auf der Suche nach bin Laden und Omar waren die Amerikaner auf die Hilfe der afghanischen Oppossitionstruppen und die Unterstützung Pakistans angewiesen.
Der Kampf um die Bergfestung Tora Bora dauerte noch an. Das Taliban-Regime in Afghanistan wurde zerschlagen. Tausende Milizen ergaben sich in ihrer letzten Hochburg Kandahar den einrückenden Oppossitionstruppen.
10. Dezember bis
16. Dezember 2001
Nach dem Fall der südafghanischen Stadt Kandahar wurde mindestens ein wichtiger Taliban-Führer gefasst.
Die US-Luftwaffe und ihre afghanischen Verbündeten konzentrierten unterdessen ihre Angriffe auf die Höhlenfestung Tora Bora, in der Osama bin Laden vermutet wurde. Ein Video, das die US-Regierung veröffentlichte, sollte beweisen, dass Osama bin Laden der Urheber der Terroranschläge von New York und Washington war.
Die internationale Sicherheitstruppe für Afghanistan stellte für die neue Regierung kein Problem dar.
Westliche Diplomaten hielten 3000 - 6000 Soldaten für angemessen. Währenddessen bestand Kabul fast nur noch aus Ruinen. Es fehlte an Wasser, Strom, Planierraupen und Telefon.
17. Dezember bis
23. Dezember 2001
Die El-Kaida-Terroristen in der Bergfestung Tora Bora in Afghanistan waren offenbar geschlagen. Doch von Osama bin Laden fehlte immer noch jede Spur.
Die Ostallianz hatte die letzten El-Kaida-Stellungen im Osten Afghanistans erobert und alle Höhlen unter Kontrolle. Die flüchtenden El-Kaida-Kämpfer wurden von der Ostallianz verfolgt.
24. Dezember bis
30. Dezember 2001
Abdul Rashid Dostum wurde Vize-Verteidigungsminister in Afghanistan. Er galt als äußerst brutal und hatte schon an der Seite der Sowjets, der Mudshabedin und jetzt an der Seite der USA gekämpft.
Über den mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden war nichts Genaueres bekannt. Einer pakistanischen Zeitung zu Folge sollte er an einer Lungenkrankheit gestorben sein, anderen Gerüchten zu Folge sollte er sich in Pakistan aufgehalten haben. Selbst seine neueste Videobotschaft, die aufgetaucht war, gab keine Auskunft über seinen Aufenthaltsort oder Auskunft darüber, ob er überhaupt noch lebte.
31. Dezember 2001 bis
6. Januar 2002
Der Weg für die Entsendung einer internationalen Schutztruppe nach Afghanistan war geebnet. Dabei ging es in erster Linie um die "technische Zusammenarbeit" der Schutztruppe mit der afghanischen Übergangsregierung. Die internationale Schutztruppe für Afghanistan sollte nach britischen Presseberichten 4500 Mann stark sein. Dennoch verließen tausende Menschen aus Angst vor einem Krieg die Region Kaschmir im indisch-pakistanischen Grenzgebiet.
Am 3. Januar 2002 trafen die ersten Soldaten ein.
7. Januar bis
13. Januar 2002
70 deutsche Soldaten wurden als Vorauskommando zum Friedenseinsatz nach Afghanistan entsandt. Die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (Isaf) besteht außerdem aus 1500 britischen Soldaten und je 300 Mann aus den Niederlanden und Frankreich.
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beteuerte, dass auch weiterhin nach Osama bin Laden gesucht werde. Aber es sei jetzt wichtiger, in Afghanistan Informationen und Beweismaterial zu sammeln, um weitere Terrorattacken zu unterbinden.
14. Januar bis
20. Januar 2002
Osama bin Laden war nach Aussage des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf "wahrscheinlich tot". Der mutmaßliche Top-Terrorist sei vermutlich einem Nierenleiden erlegen. Bin Laden sei auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen.
Bei der Bundeswehr in Afghanistan herrschte Alarmstimmung. Nach Informationen der Welt am Sonntag hatten deutsche und befreundete Geheimdienste ganz konkret vor einem Attentat auf ein deutsches Camp, im zerstörten Verkehrsministerium an der Straße nach Kabul, gewarnt.
21. Januar bis
27. Januar 2002
Die deutschen Truppen in Afghanistan waren nach einer Bombendrohung in erhöhter Alarmbereitschaft. Schwer bewaffnete Soldaten hätten innerhalb und außerhalb ihres Lagers in Kabul Posten bezogen, während um das Gelände Stacheldraht gelegt worden sei, sagte Bundeswehr-Sprecher Oberstleutnant Thomas Löbbering.
28. Januar bis
3. Februar 2002
Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, war erstmals mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush zusammenkommen. Karsai wollte auf ein dauerhaftes amerikanisches Engagement in seinem Heimatstaat dringen.
Bush und Karsai wollten bei ihrer Begegnung im Weißen Haus vor allem über langfristige Maßnahmen zur Sicherheit in Afghanistan und über den Wiederaufbau des Landes sprechen.
4. Februar bis
10. Februar 2002
Solange Osama bin Laden nicht gefasst ist, kann der Krieg in Afghanistan nicht als Erfolg gewertet werden, meinten viele Amerikaner.
Hamid Karsai, Chef der afghanischen Regierung, stand vor großen Problemen. Konflikte wurden am Hindukusch immer noch gerne mit Waffen ausgetragen.
11. Februar bis
17. Februar 2002
Fast täglich gab es aus Afghanistan Berichte über Pannen. Besonders unangenehm für das Pentagon waren die Nachrichten, dass mehrere von den Amerikanern als Erfolg verkaufte Angriffe offensichtlich tödliche Fehler waren. Donald Rumsfeld kam langsam in Zugzwang.
18. Februar bis
24. Februar 2002
Der Frieden in Afghanistan war brüchig. Auf dem Land und in Kabul ereignetten sich fast täglich Gewaltakte. Erstmals wurden nun internationale Soldaten attackiert.
25. Februar bis
3. März 2002
Wo steckte der meistgesuchte Mann der Welt? Seit Wochen war Osama bin Laden, der mutmaßliche Drahtzieher der Terror-Anschläge vom 11. September, vom Erdboden verschwunden. Experten meinten, er pendele immer noch zwischen Afghanistan und Pakistan.
Trotz erster Erfolge im Kampf gegen die Al Qaida, (nach offiziellen Angaben waren bislang 20 bis 30 ranghöhere Mitglieder gefasst), glaubten die Vereinigten Staaten nicht mehr an einen schnellen Sieg.

Die USA hatten eine neue Großoffensive im Osten Afghanistans begonnen. Unterstützt von afghanischen Bodentruppen flogen Kampfhubschrauber und B-52-Bomber am Wochenende heftige Angriffe auf mutmaßliche Al Qaida- und Taliban-Verstecke in der Provinz Paktia.
4. März bis
12. März 2002
Die Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer im Osten Afghanistans hatten den Vereinigten Staaten Widerstand bis zum Tod angekündigt. "Wir werden bis zum letzten Atemzug kämpfen", hieß es in einer Erklärung von Saifullah Mansur, der die Kämpfer in den Bergen nahe Gardes kommandierte.

Offensive gegen restliche Taliban- und El-Kaida-Kämpfer in den Höhen der Region um die Stadt Gardes. Dort wurden noch etwa 200 Kämpfer vermutet. Den Angriffen der vergangenen Woche fielen nach US-Angaben 500 bis 600 Taliban-Käpfer zum Opfer. Als weitere Tote waren mindestens acht amerikanische Soldaten, drei verbündete Afghanen und 16 Zivilisten zu beklagen.

Karsai sagte zur Lage im Kampfgebiet in den Bergen östlich von Gardes: "Das war der letzte große Stützpunkt. Und der letzte große Stützpunkt steht vor dem Aus." Der Regierungschef betonte, der Kampf gegen den  Terrorismus gehe weiter, bis von der Terrororganisation keinerlei Gefahr mehr ausgehe und sie "nirgendwo auf der Welt jemanden bedroht".

2002 bis 2012 Die Lage blieb in den folgenden Jahren extrem instabil. Immer wieder gab es Kämpfe, meist ohne große Erfolge. Details siehe auf einer speziellen Seite.
Oktober 2004 Präsidentenwahl: Hamid Karsai, der bisherige Übergangspräsident siegte deutlich. Versuche der Taliban, die Wahl zu verhindern, zu stören und die Auszählung zu beeinträchtigen, scheiterten.
2013-11-01 Der Chef der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, wurde bei einem Angriff durch eine US-Drohne getötet, außer ihm noch drei weitere führende Taliban. Der Beschuss ihres Fahrzeuges erfolgte in einem Versteck in Nord-Waziristan (Pakistan), einer Region an der Grenze zu Afghanistan.
28. Dezember 2014 Offizielles Ende des Kampfeinsatzes. US-General John Campbell rollte die Flagge der Isaf-Truppen ein. Nato-Soldaten bleiben nur zu Ausbildungszwecken im Land. Die Kampfmission "Isaf" wird durch ein Einsatz "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung) abgelöst.



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Folgen und Auswirkungen

Das Taliban-Regime existiert definitiv nicht mehr, die Al-Kaida-Terroristen verlegen sich immer mehr auf Raubüberfälle. Offensichtlich ist ihr Rückhalt in der Bevölkerung und der Nachschub nicht mehr so gut wie zu den Zeiten vor der Militäraktion. Nun ist es wichtig, dass den Menschen in Afghanistan wie versprochen geholfen wird. Nun wenn die Menschen merken, dass es vorwärts geht, wird sich das Land stabilisieren. (Nach einem Kommentar von Christoph Hagel in der Südwest Presse, veröffentlicht im Haller Tagblatt am 2002-08-08)

2008 war das bislang verlustreichste Jahr der internationalen Schutztruppe Isaf; mehr als 280 Soldaten verloren ihr Leben, davon über die Häfte Amerikaner. Insgesamt sind 51.000 Soldaten aus 40 Nationen in Afghanistan stationiert.

Bei den Einsätzen des US-Militärs gegen Taliban und Al-Kaida-Terroristen kommen immer Zivilisten ums Leben. Das führt zur Spannungen zwischen den USA und der afghanischen Verwaltung. In Zukunft wird auf mehr Zusammenarbeit - auch vor Militäreinsätzen - gesetzt (HT 2009-02-16). R. Erös berichtete in seinem Buch "Tee mit dem Teufel", dass die Amerikaner für jeden getöteten Zivilisten (aber nur Männer) 1000 Dollar zahlten (S. 263).

Die Zahl der getöteten Zivilisten wächst. Mitte des Jahres 2010 verzeichnete die unabhängige Organisation ARM (Afghan Rights Monitor) 1074 Tote; das sei ein Höchststand innerhalb der vergangenen neun Jahre (HT 2010-07-13).

Im Dezember 2011 waren noch 5350 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.  Das neue Mandat lässt ab Februar 2012 nur noch eine Truppenstärke von 4900 Mann zu. Bis Ende 2012 sollen 600 Soldaten in die Heimat zurückkehren dürfen, bis 2014 sollen alle deutschen Soldaten abgezogen sein.

Im Mai 2012 wurde folgende Bilanz gezogen: seit Kriegsbeginn (2001) mehr als 3.000 getötete Soldaten, davon 52 von der Bundeswehr. Im Jahr 2011 starben 566 Soldaten. 

Eine Statistik der Internationalen Schutztruppe Isaf veröffentlichte folgende Zahlen: Seit Jahresbeginn 2012 sind pro Monat durchschnittlich 537 einheimische Polizisten und Soldaten getötet oder verletzt worden.

Der Kampfeinsatz der Bundeswehr soll 2014 enden (Aussage von Außenminister Westerwelle im April 2012); die Truppenstärke soll von 4760 (Stand: November 2012) auf 3300 reduziert werden. Auch nach 2014 werden Bundeswehrsoldaten in Afphanistan bleiben, allerdings nur zur Beratung und Ausbildung afghanischer Soldaten.

Im Oktober 2013 (10 Jahre nach Beginn des Einsatzes im Kundus) übergab die Bundeswehr das Feldlager an die afghanischen Sicherheitskräfte. Bundesverteidigungsminister de Maiziére war zugegen und nannte in seiner Rede Kundus einen Ort, an dem die Bundeswehr "lernen musste zu kämpfen", und er gab seiner Hoffnung Ausdruck, "dass die afghanische Seite die Sicherheit in einem angemessenen Niveau sichern" könne.

Als im Dezember 2014 der der Kampfeinsatz offiziell endete, war die NATO 13 Jahre lang zeitweise mit 140.000 Soldaten in Afghanistan; darunter mehr als 5000 deutsche. Insgesamt wurden rund 3500 Isaf-Soldaten getötet, darunter 55 deutsche. Zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Soldaten sollen 12.000 Nato-Soldaten im Land bleiben, darunter 850 deutsche. 
Ob Afghanistan nun in Selbstverwaltung zu einer Demokratie wird, darf bezweifelt werden. Die Korruption blüht. Die radikalislamischen Taliban sind auf dem Vormarsch und liefern sich Gefechte mit afghanischen Sicherheitskräften. Auch Anschläge in Kabul sind zu verzeichnen. Im Jahr 2015 (bis August) wurden rund 4100 afghanische Sicherheitskräfte getötet und Tausende verwundet (nach einem Bericht in der New York Times); 1592 tote und 3329 verletzte Zivilisten meldeten die Vereinten Nationen.


Konfliktparteien - Ziel - Verlauf - Folgen und Auswirkungen - Quellen

Quellen:

FAZ: 01-09-17; 01-09-22; 01-09-26; 01-09-30; 01-10-07; 01-10-08; 01-10-24; 01-11-05; 01-11-11; 01-11-15; 01-11-19; 01-11-26; 02-01-12; 02-01-21; 02-01-28; 02-02-01; 02-02-25;  02-03-03; 02-03-05; 02-03-10; 02-03-13 

Haller Tagblatt: 2001-03-08; 01-09-29; 01-10-02;  01-10-04; 01-10-08; 01-10-09; 01-10-10; 01-10-12; 01-10-13; 01-10-15;  01-10-17; 01-10-20; 01-10-22; 01-11-06; 01-11-07; 01-11-10; 01-11-11; 01-11-12; 01-11-13; 01-11-14; 01-11-15; 01-11-20; 01-11-23; 01-11-27; 01-11-28; 01-11-30; 01-12-04; 01-12-07;  01-12-08; 01-12-12; 01-12-14; 01-12-28;
2002-01-09, -02-07; 02-02-08; 02-02-09; 02-02-11; 02-02-14; 02-02-18; 02-03-12, 02-08-08
2003-01-29, 2006-10-27, 2007-05-02
2004-10-01, -10-28
2009-02-16
2010-07-13
2011-12-19

2012-04-15
2012-05-14, -10-18
2012-11-15

2013-05-06, -10-07, -11-01
2014-12-29
2015-08-03, -08-31

Rundschau: 02-01-02; 02-01-03; 02-01-04; 02-01-05; 02-12-31

Stuttgarter Zeitung: 01-11-26; 01-11-27; 01-11-28; 01-11-29; 01-11-30

Welt am Sonntag: 02-01-20

Reinhard Erös: Tee mit dem Teufel. Als deutscher Militärarzt in Afghanistan. Hamburg 2009.



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