Sibilla Egengeboren um 1470 - gestorben am 28. September 1538 Zum GeleitSibilla Egen sticht in der hällischen Stadtgeschichte als besondere Persönlichkeit heraus. Der Stammbaum der Familie Egen weist, nicht ganz ohne das Zutun Sibilla Egens selbst, viele Verwandtschaften zum ehemaligem Haller Stadtadel auf. Sibilla Egen selbst fällt in der fast 2000-jährigen Geschichte der Stadt Schwäbisch Hall besonders durch ihre Wohltaten im sozialen wie schulischen Bereich der damaligen städtischen Infrastruktur auf. So gründete sie 1509 eine Stiftung zur Unterstützung von jungen Frauen, Hebamen und Mägden. Auffallend an ihrer Person ist, dass bereits ihr Elternhaus aus einer höheren politischen Situation kommt. So wurde aus ihr eine selbstbewusste und emanzipierte Frau, die maßgeblich an der Reformation und Umgestaltung der geistlichen Umgebung in Hall beteiligt war. Als zweitreichste Person der damaligen Stadt Hall hatte sie die Möglichkeit zur Veränderung, welche sie auch ausgiebig nutzte. Inhalt
> Die Familie Egen
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Einzige bildliche Darstellung Sibilla Egens auf ihrem Totenepitaph in der Stadtkirche St. Michael in Schwäbisch Hall. Am linken, unteren Bildrand ist das Familienwappen derer von Rinderbach zu erkennen. In diese Familie war sie, über ihre erste Ehe mit Hans von Rinderbach, zeitlebens involviert. Am unteren rechten Bildrand ist das Familienwappen der Familie Hofmeister zu erkennen, ihres zweiten Ehemannes. Oben rechts ist das Wappen ihrer Mutter (Langenmantel), oben links das ihres Vaters (Egen) abgebildet. Sie selbst wird mit typisch vorreformatorischem Totenschmuck gezeigt, mit Rosenkranz und gefalteten Händen.
Das Familienwappen der Egen zu Hall. Hier ist speziell das Wappen der "Frau Sibilla Egin (und)" abgebildet. Es befindet sich auf der Stiftertafel des Reichen Almosen in der Stadtkirche St. Michael in Schwäbisch Hall. |
Die Familie EgenDie Egen im SpätmittelalterIm Jahr 1323 findet sich in den Geschichtsbüchern der damaligen "freyen Reichsstadt Hall" zum ersten Mal ein gewisser Kleinkunz Egen, welcher in selbigem Jahr als Stadtschuldheiß in Hall tätig wird. Zwischen 1323 und bis ins Ende des 14. Jahrhunderts lässt sich die Familienlinie "der Egen zu Hall" nur schwer nachvollziehen.
So taucht 1378 und 1379 ein Itel Egen, ebenfalls als Stadtschuldheiß auf, welcher genau
so schnell wieder von der Bildfläche verschwindet, wie er auftauchte. Ob der am 17.01.1374 in Hall erwähnte Volkhart Egen der Ältere in
direkter Folge zum Stadtschuldheißen
Itel Egen steht, ist nicht nachvollziehbar, liegt allerdings nahe. Volkhart Egen wird am
17.08.1391 nochmals bei einer Einwohnererfassung in der Stadt erwähnt und stirbt 1399 in
Hall. Zusammen mit seiner Frau Guta Egen (von der leider nicht mehr als ihre bloße
Existenz bekannt ist) hatte er aller Wahrscheinlichkeit nach drei Kinder: Elsbeth Egen,
Greth Egen, die den Konrad von Senft ehelicht und damit in die zweit mächtigste Familie
der Stadt und des Umlandes einheiratet, und Volkhard Egen der Jüngere. 1415 wird "Volkhards selig Sohn" Hanns geboren. Die Formulierung eröffnet die Annahme, dass es sich hierbei um seinen einzigen Sohn handelt, auch weitere Kinder des Volkhard Egen sind nicht bekannt.
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Das Innere der St. Michaelskirche in Schwäbisch Hall. Ihre prächtige Ausstattung hat den Bildersturm, dank Johannes Brenz, überlebt und wurde in den folgenden Jahrhunderten von reichen Hallern immer wieder beträchtlich erweitert. 1427 begannen die Umbauarbeiten. Im bereits 1495 fertiggestellten Langhaus konnte an Jacobus 1523 die Reformation gefeiert werden. Der Chor wurde erst 1527 fertiggestellt. |
Eltern der Sibylle EgenDie Lebensdaten des Hanns Egen dagegen sind erstaunlich gut zu rekonstruieren. Zwischen 1442 und 1452 ist er in Hall, nachweislich, ansässig. Bei der Bürgererfassung aus dieser Zeit werden als Wohnorte das Haal und der Rosenbühl genannt. Beides Stadtgebiete der besseren Gesellschaft. Ab 1443 hat er ein "Leibding zu Nördlingen". Diese Formulierung meint einen Rechtsanspruch, welcher aus einer Erbschaft resultiert. Da von Hanns Egen selbst nicht bekannt ist, ob er jemals in Nördlingen war, dies aber höchst unwahrscheinlich ist, liegt der Schluss nahe, dass er zu diesem "Leibding" über seine Frau, Barbara Egen (geb. Langenmantel) gekommen sein könnte. Von der lediglich ihr Mädchenname und ihre Herkunft - sie soll aus Ulm gekommen sein - bekannt ist. Ab 1453 ist Hanns Egen in der benachbarten Reichsstadt Dinkelsbühl, mit dem Zusatz "oft Bürgermeister", gemeldet. Hier verstirbt er auch im Jahr 1498 im stolzen Alter von 83 Jahren. Aus seiner Ehe mit Barbara Langenmantel, welche 1471 (wohl auch in Dinkelsbühl) verstirbt, gehen allen Quellen zur Folge drei Kinder hervor. Jeremias Egen, Hilaria Egen und Sibylle Egen. Sibylle muss auf Grund des frühen Todes ihrer Mutter also spätestens 1471 geboren sein.
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Der prächtige Hochepitaph der Familie Sannwald in der Michaelskirche. Sie stammen vom Schwager Sibilla Egens aus erster Ehe ab und sind Nachfahren des Ulrich und Veit von Rinderbach. Die Familie Sannwald erhob später Anspruch auf die Egen-Stiftung, bekam aber kein Recht. |
Sibylle Egen in HallDie Tochter heiratet 1493 den Adligen Hans von Rinderbach (altes Haller Adelsgeschlecht), dessen Vorfahren immer wieder langjährige Stättmeister und Stadtschultheißen in Hall gestellt hatten. Nach dessen Tode am 14.02. 1500 bleibt ihr noch ihr einziger Sohn Matthias von Rinderbach (nach seinem Großvater Matthis von Rinderbach benannt, + 1492) welcher "stirbt bevor er volljährig ist". Er muss wohl 1493 oder 1494 geboren worden sein. Damit müsste sein Tod um das Jahr 1515 liegen. Nach dem Verlust beider nimmt Sibylle von Rinderbach wieder ihren Mädchennamen an und ist fortan als "Sibilla die Egen" bekannt. 1517 heiratet sie ein zweites Mal. Diesmal den fast 20 Jahre jüngeren Anton Hofmeister aus Wimpfen. Dessen Vater war bereits Schultheiß in Wimpfen gewesen, was ihn zu einem Mitglied der oberen politischen Schicht machte. 1507 ist von ihm ein Studium der Rechtslehre in Leipzig bekannt. Bereits 1518 wird Anton Hofmeister - wohl nicht ohne das Zutun seiner politisch einflussreichen Frau - Ratsherr zu Hall und in den Jahren 1527, 1529 und 1531 ist dieser Stättmeister in Hall. Anton Hofmeister verstirbt am 20.09.1532 ohne offensichtlichen Grund. Bis zu ihrem Tode am 28.09.1538 lebt Sibilla Egen-Hofmeister als Witwe allein. |
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Stand: 10-06-01 Letzter Bearbeiter: Jürgen Gierich Autor (Text und Bilder): Ferdinand M. Schäfer (2008) Datei:schule/sibilla/sibilla1.htm |