Das dreijährige Berufskolleg für Behörden- und Betriebsassistenten
Schwerpunkt Umweltschutz und Landschaftspflege

3BKBA-Historie


Im Rahmen des Sonderprogrammes "Entwicklung des ländlichen Raumes" wurden in Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Forsten (MLR) und dem Ministerium für Kultus und Unterricht (MKS) neue Schularten ins Leben gerufen, die den unter dem Strukturwandel in der Landwirtschaft leidenden Landwirten mit kleineren unrentablen Höfen neue oder zusätzliche Verdienstmöglichkeiten eröffnen sollten.

Dazu gehörte die 1988 als Abendschule eingeführte Berufsfachschule für Zusatzqualifikationen (BFQ), in der einzelne Module angeboten wurden, z. B. Agrarinformatik, Landespflege, Nebenerwerbslandwirtschaft.

Ebenfalls 1988 nahmen die "Berufskollegs für Behörden- und Betriebsassistenten Agrarwirtschaft, Schwerpunkt Umweltschutz und Landespflege" (3BKBA) in Freudenstadt und Schwäbisch Hall ihre Arbeit auf. Das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) hat einen großen Bedarf an diesen Fachkräften in den Landwirtschaftsämtern gesehen. Maßgeblich vorbereitet wurde diese neue dreijährige Schulart durch den damaligen Referenten im Ministerium für Kultus und Sport (MKS), Herrn Pflugfelder, der einige Jahre später ins MLR wechselte.

Das 3BKBA bot neben den Landwirten auch Absolventen anderer grüner Berufe mit mittlerem Bildungsabschluss und solidem fachlichem Grundwissen (Berufserfahrung) eine Weiterbildungsmöglichkeit. Interessenten ohne einschlägige landwirtschaftliche Erfahrung erhielten Zusatzunterricht in Technologie Agrarwirtschaft, damit sie das Ziel gleichermaßen erreichen konnten.

Im Gegensatz zur BFQ bot das 3BKBA - eine dreijährige Ausbildung mit einem Praktikumsjahr als zweites Schuljahr - einen völlig neuen Beruf, eine komplette Berufsausbildung, die seinerzeit in keinem Bundesland irgendeinen Vorläufer hatte.

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Ausbildung zum "Behördenassistenten" - ein viermonatiges Pflichtpraktikum in einem Landwirtschaftsamt gehörte auch dazu. Nachdem die ersten Schülerinnen und Schüler die Ausbildung erfolgreich absolviert hatten, wurden aber die vom MLR versprochenen Stellen nicht bereitgestellt. Auch andere staatliche Stellen (Landkreise, Gemeinden) haben sich auf diese neue Schulart kaum durch entsprechende Stellenangebote eingestellt. Zudem setzte ab 1992 eine wirtschaftliche Rezession in der Bundesrepublik Deutschland ein, die den Bedarf an Arbeitskräften im Umweltbereich nicht gerade steigerte.

Aufgrund eines gewachsenen Umweltbewusstseins in der Bevölkerung sahen sich zunehmend gewerbliche Betriebe vor neuen Anforderungen. Durch EU-Verordnungen wurde der Stellenwert des betrieblichen Umweltschutzes verstärkt. Viele Betriebe erkannten, dass ökologische Wege und Bestimmungen einen Betrieb nicht nur behindern, sondern viele positive Aspekte bieten und versuchten eine zügige Umstellung ihrer Produktionslinien nach umweltorientierten Maßstäben und gesetzlichen Auflagen.

Die fundiert ausgebildeten Behörden- und Betriebsassistenten waren - und sind! - sehr wohl in der Lage, auch solche Problemstellungen in den Betrieben zu überprüfen, zu planen und zu einer ökologisch-ökonomischen Lösung zu führen, wie Einstellungen der Absolventen in Produktionsbetrieben zeigten.

Trotz aller Anstrengungen von Seiten der Schulen verbesserten sich allerdings die Berufsaussichten nicht.

Zum Ende des Schuljahres 1999/2000 beschloss daher das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport die Einstellung dieser erfolgversprechenden, aber letztendlich erfolglosen Schulart.



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Stand: 08-07-16
Letzter Bearbeiter: GiJ
Frühere Bearbeiter: Irene Schwab, GiJ
Datei: schule/bkba/bkbahist.htm