Stasi-Häftling besucht Schule |
|
Die Stiftung Hohenschönhausen, das ehemalige Stasi-Gefängnis in Ost-Berlin, bietet den Schulen Lesungen mit ehemaligen Häftlingen an, damit dieser Teil der DDR-Diktatur nicht in Vergessenheit gerät.![]() Gespannt hören die Schüler Wolfgang Welsch zu |
|
|
Aus diesem Grund hatten die 12. Klassen des EG/BTG der Haller Sibilla-Egen-Schule den "Staatsfeind Nr. 1" der DDR, Dr. Wolfgang Welsch eingeladen, so auch sein Buchtitel. Politiklehrer Hans Graef erläuterte zu Beginn die Bedeutung dieses Thema für den Geschichtsunterricht, aber auch für Fächer Ethik und Religion - denn es geht um nicht weniger als um Gewissen und Widerstand, so eine der Hauptthesen Welschs. 40 Prozent der Ostdeutschen behaupten bis heute, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen. Der gelernte Schauspieler wandte sich gegen die Behauptung, es habe in der DDR eine Opposition gegeben - das sei Geschichtsklitterung und entspreche nicht der Realität. Widerstand sei aber von vielen geleistet worden. Nachdem der Referent kurz seinen Werdegang, er ist Jahrgang 1944, in Schule und Studium erläutert hatte, schilderte er dem gespannt lauschenden Publikum seine politische Verfolgung. Nachdem er beschlossen hatte zu fliehen, was für ihn praktizierter Widerstand war, landete er sieben Jahre im Stasi-Knast, wo er von kriminellen Verhörmerthoden bis hin zur Folter berichtete. Isolationsfolter konnte er nur durch seine Werteerziehung in seinem christlichen Elternhaus überstehen. Und nur durch seine öffentliche Aufklärungsarbeit konnte er diese Zeit verarbeiten. 1970 erklärte Amnesty International ihn zum "Gefangenen des Jahres", was zur Freilassung führte. Neu war, dass seine Verfolgung auch nach seinem Freikauf durch die BRD sich in den 70ern fortsetzte und die Stasi drei Mal versuchte ihn zu ermorden, was einmal fast glückte. Diesem Straftäter konnte er nur verzeihen, weil er - im Gegensatz zu vielen anderen - seine Taten glaubhaft bereute und Welsch so seinen inneren Frieden finden konnte. Ausführlich beantwortete er die Schülerfragen zu seinen unmenschlichen Erlebnissen und seiner Aufklärungsarbeit. Weitere Informationen: www.wolfgang-welsch.com |
Wolfgang Welsch |
![]() Seitenanfang |
Stand: 11-05-20 Letzter Bearbeiter: Iris Rabenhorst Text und Bilder: Hans A. Graef Datei: schule/2010_11/lesung_welsch/lesung_welsch.htm |