Jugendgewalt / Professor Adolf Gallwitz spricht in der Sibilla-Egen-Schule

Viel Statistik

Nicht alle sind mit Vortrag des Kriminalpsychologen einverstanden

Gewalt an Schulen, Gewalt von und an Jugendlichen gibt es schon immer, sagte Professor Adolf Gallwitz, Kriminalpsychologe an der Fachhochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen. Sein Vortrag am Dienstag in der Sibilla-Egen-Schule stieß nicht nur auf Zustimmung.

Er werte ja nur Statistiken aus, wurde dem Professor in Diskussion nach seinem Vortrag vorgehalten. Der gesellschaftspolitische Ansatz habe gefehlt, er bleibe in einer ''halben Analyse'' hängen.

Gallwitz hat sich statistische Daten aus rund 100 Jahren angeschaut und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass unabhängig von der gesellschaftlichen Ordnung die Zahl gewaltbereiter Kinder und Jugendlicher relativ konstant ist. 98 Prozent aller Jugendlichen seien unauffällig, und 80 Prozent der restlichen zwei Prozent treten nur einmalig oder kurzfristig während bestimmter Lebensphasen in Erscheinung. Sechs Prozent von diesen zwei Prozent, also 12 von 10000 Jugendlichen, seien Wiederholungstäter. Von ihnen gingen mehr als die Hälfte aller Jugendstraftaten aus.

Gallwitz ist überzeugt: ''Killerspiele'' am Computer als vorgebliche Ursache für Jugendgewalt zu kriminalisieren sei der einfache Weg, einen Sündenbock zu kreieren, gehe am Problem aber völlig vorbei. Diese Spiele seien nicht die Ursache, allenfalls ein Faktor von 80 anderen, die ein Persönlichkeitsbild prägen, das zu Mobbing oder anderer Gewalt fähig ist.

Auch hier hatte der Professor eine Statistik parat: Amokläufe an Schulen mit Toten und Verletzten seien bis ins Jahr 1908 zurück dokumentiert und damit kein Phänomen unserer Zeit. Und dass auffällige Jugendliche eine gewisse Nähe zu Gewaltdarstellungen und Gewaltfantasien hätten, sei ebenfalls keine ''Erfindung'' des Video- und Computerzeitalters. Dass die Schule der auffälligste Ort für Jugendkriminalität ist, liege daran, dass junge Menschen sich tagtäglich mit ihm auseinander setzen müssen: Da gibt es Hoffnungen und zerstörte Vorstellungen, Lob und Tadel, Kränkungen und Aggressionen bis hin zu systematischem Mobbing. Darauf müsse Erziehung vorbereiten - tue sie aber in vielen Fällen nicht.

ERNST-WALTER HUG

Mit freundlicher Genehmigung des Haller Tagblatt. Veröffentlicht am 23. November 2007

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Stand: 09-07-20
Letzter Bearbeiter: GiJ
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