Wir kämpfen für unsere Zukunft!

"Wir kämpfen für unsere Zukunft!" So nannte sich das Projekt, das Schülerinnen und Schüler des Berufsvorbereitungsjahres der Sibilla-Egen-Schule und der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall durchgeführt hatten. Die Landesstiftung Baden-Württemberg verlieh beim Wettbewerb der beruflichen Schulen 2006 diesem Projekt den 3. Preis!

Die Idee zum Projekt

Die desolate Lage auf dem Ausbildungsmarkt und allgemeine Vorurteile gegenüber dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) waren Gründe für die Unzufriedenheit der BVJ-Schülerinnen und -Schüler mit ihrer Ausbildungssituation. Daraus entwickelten die Jugendlichen im Jahr 2005 die Idee, eine Aktion durchzuführen, um ihren Willen zur Ausbildung und Arbeit praktisch und anschaulich unter Beweis zu stellen. So sollte die Öffentlichkeit von der Lage der BVJ-Absolventen erfahren und sich gleichzeitig ein positives Bild vom BVJ machen können. 

Die Wahl fiel auf das Angebot einer kostenlosen Einpackhilfe in einem hoch frequentierten Supermarkt kurz vor Weihnachten. Auf Plakaten und Flugblättern sollte auf die geringe Ausbildungschance für BVJ-Schülerinnen und -Schüler hingewiesen werden. 

Gleichzeitig wurden Spenden gesammelt, die zur einen Hälfte der Partnerschule der Sibilla-Egen-Schule in Ghana zukommen sollten und zur anderen Hälfte den eigenen Klassenkassen. 

Die Planung und Vorbereitung des Projektes

Die Schülerinnen und Schüler planten folgende Arbeitsschritte:

  • Erstellen von Texten für die Plakate, Flugblätter, Hinweisschilder und Spendendosen, im Anschluss Eingabe am PC;
  • Abschätzen der Kundenanzahl an einem Samstag vor Weihnachten, wonach sich die Anzahl der Flugblätter und die Kalkulation der Kosten ergaben (mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogrammes);
  • Hochrechnen der zu erwartenden Spenden in Abhängigkeit von den besetzten Kassen, der Kundenanzahl und der Spendenbereitschaft (auch mit Hilfe des Computers);
  • Texte zum Ansprechen der Kunden und für denkbare Situationen beim Anbieten des Einpackservice (inkl. Rollenspiele);
  • Überlegungen und praktische Übungen zum schonenden Einpacken verschiedenster Waren;
  • Generalprobe kurz vor dem Einsatz: gleichzeitiges Einpacken und Ansprechen der Kunden;
  • Nach dem Tag der Aktion Ermitteln der Spenden und Kontrolle durch eine Zählmaschine der Sparkasse, Berechnung der Beiträge für die Partnerschule und – abhängig von der Anzahl der beteiligten Schülerinnen und Schüler in jeder Klasse – für die Klassenkassen (wiederum mit Computerunterstützung);
  • Feierliche Übergabe des für Ghana vorgesehenen Betrages an die Schulleitung bzw. eine Überbringerin;
  • Anfertigen einer Stellwand zur Veranschaulichung des Projektes in der Schule.

Die Durchführung der Aktion

An einem Samstag vor Weihnachten setzten die Jugendlichen ihre Vorbereitungen in die Praxis um. Nachdem die Plakate aufgehängt waren und die Verteilung an den Kassen geklärt war, nahmen die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit auf. Die Kunden reagierten überrascht; die meisten waren erfreut über das ungewohnte Angebot, einige lehnten irritiert ab. Auf mögliche Reaktionen hatten sich die Jugendlichen gut vorbereitet. So erklärten sie in höflicher Form den Zweck der Aktion. 

Am Ende des Einsatzes waren alle stolz über den erfolgreichen Verlauf des Einpackservice. 

 

Preisverleihung

Im April 2006 wurden wir alle zur feierlichen Übergabe des Preises zu einer Gala nach Stuttgart eingeladen, ins ehrwürdige „Haus der Wirtschaft“. Die Spannung erhöhte sich, da erst hier bekannt wurde, welchen Preis wir gewonnen hatten. Es war ein bisschen wie bei der Oscar-Verleihung. Nach einigen Reden, die uns sehr lang vorkamen, wurden endlich die zwei Vertreterinnen unserer Klassen auf die Bühne gebeten - wir hatten den dritten Preis in Form eines Schecks mit einem namhaften Betrag „erkämpft“!

Im Anschluss gab es noch vielerlei Leckereien zu essen und zu trinken, und wir kehrten froh und stolz wieder nach Hall zurück. Später bekam jede(r) noch eine eindrucksvolle Urkunde ausgehändigt, die man z. B. einer Bewerbung beilegen kann.

Wir wollten gerne eine zweite Aktion durchführen, jedoch rückten die Prüfungen näher und näher, so dass wir schweren Herzens darauf verzichteten.

Weitere Infos: www.wettbewerb.de

Anmerkungen aus der Sicht des Lehrers

Projektziele: 

  • Protest gegen die desolate Ausbildungssituation für Schülerinnen und Schüler des BVJ,
  • Verbesserung des Ansehens des BVJ in der Öffentlichkeit,
  • Ermöglichen des Schulbesuchs für Kinder der Partnerschule in Ghana und Sammeln für Klassenkassen,
  • Motivierung der Schülerinnen und Schüler und ihre Integration in die Klassengemeinschaft.

Aus pädagogischer Sicht überwanden die Schüler ihre Mutlosigkeit, steigerten ihr Selbstbild und wirkten erzieherisch auf ihre verhaltensoriginellen Klassenkameraden ein. Der betreuende Lehrer reduzierte dabei seine spürbare Einflussnahme auf die Jugendlichen, so dass diese in jeder Phase des Projekts maßgeblichen Anteil hatten.



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Stand: 06-06-27
Bilder und Text: F. Lüpke
Letzter Bearbeiter: GiJ
Datei: schule/2005_06/bvj2-projekt/bvj2.htm