Umweltskandal in Nigeria

Das dargestellte Gebiet des Niger-Deltas gehört seit 30 Jahren zu den größten Dreckschleudern des Planeten. Hier wird ohne Rücksicht das verbrannt was als Nebenprodukt der Ölförderung gilt - das Erdgas.

Zur Situation - Beginn - Ursachen - Konfliktparteien - Verlauf - Folgen - Lösungsansätze - Quellen

Zur Situation

Im Niger-Delta verbrennen Ölkonzerne fast das gesamte Gas, das bei der Ölförderung anfällt. Dabei fällt auch eine ganze Menge an Methangas an, das der Hauptverursacher der Treibhauseffekts und vierundsechzigmal gefährlicher für die globale Erwärmung ist als CO.
Im Feuchtgebiet des Niger-Deltas, mit 20000 Quadratkilometer das Größte seiner Art in Afrika, fördern die Ölmultis täglich rund zwei Millionen Barrel Erdöl.
Der Blutzoll ist hoch im Delta. Unzählige Flußläufe, Mangrovenwälder, fruchtbares Ackerland und die einst fischreichen Gewässer sind schwer geschädigt oder zerstört. Überirdisch verlegte Ölpipelines durchqueren Dörfer und verlaufen oftmals direkt vor den Hauseingängen, so daß die Bewohner über die veralteten Hochdruckleitungen steigen müssen.
Das Öl sickert teilweise ins Grundwasser oder bildet Seen, so groß wie Fußballfelder.
Shell wollte die Anlagen zwar sanieren, jedoch kam es zu Unruhen, und diese störten das Vorhaben des Ölkonzerns.
Es gibt zwar Umweltschutzbestimmungen in Nigeria, Shell hat sich aber mit seiner Ausrede, im sumpfigen Gelände sei es technisch zu schwierig zur Gas-Reinjektion, gut rausreden können.
Die Ölkonzerne boten Nigeria an, ein Bußgeld zu zahlen, doch was ist Geld im Gegensatz zu einer zerstörten UmwelZur Situation: t?
Einen Monat nach der Hinrichtung von Ken Saro-Wiwas unterzeichneten NNPC, Elf, Agip und der Shell Konzern einen Vertrag über eine vier Milliarden US-Dollar teure Gasverflüssigungsanlage.


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Beginn:

1962


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Ursachen:

Es gibt keine eindeutige Ursache. Es sind eher mehrere Faktoren, die bei dem Konflikt eine Rolle spielen:

- 1965 erste erfolgreiche Ölbohrungen
- 1966 erster Militärputsch
- 1967 bis 1970 Bürgerkrieg oder
- 1993 die Annullierung der Präsidentschaftswahl


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Konfliktparteien und ihre Ziele:

Diese drei Parteien haben übereinstimmende Ziele, nämlich die Beibehaltung der bisherigen Machtstrukturen sowie die weitere wirtschaftliche Ausbeutung des Landes zugunsten einiger weniger Nigerianer bzw. ausländischer Konzerne.

Die Ogoni möchten die Macht- und Ressourcenverteilung neu regeln, die Anerkennung der Interessen der zahlreichen Minderheitenvölker und eine Garantie der Partizipationsmöglichkeiten dieser Menschen am politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben durchsetzen.


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Verlauf

1960-10-01 Unabhängigkeit Nigerias durch die regionalen Regierungen (Opposition AG und der jeweils von NPC, NCNC).
Jede der drei großen Parteien gewann Anteil an der Macht.
1962 Spaltung der AG, dadurch wurde das Gleichgewicht in Frage gestellt. Machtkonkurrenz zwischen NPC und NCNC um die Vorherrschaft über die Erdölvorkommen.
1964/65 Zusammenbruch der 1. Republik.
1966-01-15 Putsch einer Gruppe von Majoren der nigerianischen Armee, die eine 13jährige Ära einleitete.
1966-07-28 Gegenputsch von Offizieren des N gegen die aus dem 1. Staatsstreich hervorgegangene Igbo-Führung.
Umwandlung Nigerias in einen Einheitsstaat.
1967/70 Bürgerkrieg schwelt weiter.
Wiedereinführung eines aus 12 Bundesstaaten gegliederten föderalen Systems durch Staatschef General Gowon.
1975 Militärputsch durch General Murtala Muhammed, der nach 6 Monaten ums Leben kam.
1979-11-01 Sein Nachfolger General Olusegun Obasanjo gründete die Zivilregierung und führte auch eine Erweiterung der föderalen Struktur auf 19 Bundesstaaten ein.
1983-12-31 Machtübernahme des Militärs durch einen Staatsstreich der Offiziere.
Neuer Staats- und Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte wurde G. Muhammed Buhari.
Daraufhin folgte das Verbot von Parteien.
1983-08-06 Präsidentschaftswahlen.
1987 Wahlen.
1993 Wahlen, doch die Militärs kamen dem drohenden Machtverlust zuvor und annullierten diese, worauf sie eine zivile Marionettenregierung einsetzten.
November 1993 Putsch unter General Sani Abacha, der dadurch zurück an die Macht kam.
1995-09-10 Höhepunkt des Konfliktes. Der Sprecher der Ogoni und des "Movement for the Survival of the Ogoni People" (MOSOP), Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter wurden nach einem mehrmonatigen Schauprozeß am Galgen gehängt, da das kleine Volk im Niger-Delta den Militärs gefährlich geworden war. Die USA, EU und Kanada veranlaßten daraufhin Visabeschränkungen, machten aber sonst keinen politischen Druck auf das Unrechtregime in Nigeria..
Dezember 1995 Gipfeltreffen der frankophonen Staaten in der Republik Benin. Aufforderung an Nigeria, demokratische und rechtsstaatliche Verhältnisse herzustellen.
1996 Starke Proteste vom Volk gegen die Plünderungen des Reichtums der Militärjuntas des Landes. Vorallem das Volk der Ogoni protestierte stark und ihr Anführer Ken Saro-Wiwa zahlte den höchsten Preis und wurde nach einem Militärprozess zusammen mit anderen acht Ogoni gehängt.
Mai 1998 Staatschef General Sani Abacha stirbt im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt. Nachfolger wird Abdulsalam Abubakar. Er kündigt die Demokratisierung des Landes an.
Juli 1998 Der frühere nigerianische Oppositionsführer Moshood Abiola stirbt an einem Herzinfarkt.
November 1998 Erste freie Wahlen nach 15 Jahren Militärherrschaft ohne Behinderung. Wahlsieger: Volksdemokratische Partei (PDP), Allgemeine Volkspartei (APP) und Allianz für Demokratie (AD)
1999-02-23 Die erste demokratische Parlamentswahl in Nigeria hat das Reformbündnis um Ex-General Olusegun Obasanjo mit absoluter Mehrheit gewonnen.
1999-03-02 Der ehemalige General und Diktator Olusegun Obasanjo war als Sieger aus der ersten demokratischen Präsidentenwahl in Nigeria hervorgegangen. Auf ihn entfielen knapp 63 Prozent der gültigen Stimmen. Sein unterlegener Kontrahent, der frühere Finanzminister Olu Falae, wollte die Abstimmung wegen Wahlbetrugs anfechten.
2001-09-27 Im September sollen militante Jugentliche der Volksgruppen Olomoro und Oleh eine Förderanlage des Shell-Konzerns zerstört haben. Seit dem Versuch die Förderstation lahm zu legen, hat der Konzern 800.000 US-Dollar Produktionsausfall täglich. Der Grund für diese Attacke ist, dass sich diese Volksgruppen um ihren Anteil am "Schwarzen Gold" betrogen fühlen, da die 13 Prozent der Öleinnahmen, die sie erhalten sollten, irgendwo auf dem Weg von der Hauptstadt Abuja zu ihnen versickern.
2001-10-12 An diesem Tag waren 19 Armeeangehörige von militanten Dorfbewohnern getötet worden. Daraufhin griffen die Soldaten mehrere Dörfer im Bundesstaat Benue an und töteten etwa 200 Menschen. Der Präsident Olusegun Obasanjo ordnete kurz darauf die sofortige Einstellung der militärischen Operation in der Region an und ließ erklären, dass ihm nichts von den Aktivitäten der Regierungssoldaten bekannt war. Um sich zu rächen, hätten die Militär Zivilsiten unter Beschuss genommen und Gebäude mit Granaten in Schutt und Asche gelegt.
2001-10-25 Aus ethnischen Gründen kam es zu blutigen Auseinandersetzungen bei denen Soldaten während eines Rachefeldzuges 100 Menschen des Stammes Tiv töten. 200.000 Menschen flohen. Zuvor hatten Stammeskrieger der Tiv 19 Soldaten mit Buschmessern verstümmelt und umgebracht.
2002-02-04 Bei einer blutigen Stammesfehde in Nigeria kamen 55 Menschen ums Leben. Der Streit war zwischen den Volksgruppen Hausa und Yoruba ausgebrochen. Mehr als 200 Häuser wurden niedergebrannt und über 1.000 Familien obdachlos. Polizei und Militär griffen ein und beendeten die Kämpfe zwischen den verfeindeten Volksgruppen.
2006 Häufung militanter Aktionen:Sabotage einer Ölleitung, Entführungvon vier Shell-Mitarbeitern, Schießerei auf einer Ölplattform, bei der vier Wachsoldaten und acht der Angreifer getötet wurden.

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Folgen / Auswirkungen:


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Lösungsansätze:

Eine aktivere, konsequentere Verfolgung außenpolitischer Interessen wird erst dann möglich sein, wenn es gelungen ist, größere innenpolitische Stabilität zu gewährleisten, die Außenabhängigkeit der Wirtschaft abzubauen und die bei verschiedenen Einsätzen deutlich gewordenen Schwächen der Armee zu beseitigen. Nur internationaler Druck kann die Ölkonzerne und die nigerianische Regierung zwingen, die allgemein gültigen Standards bei der Erdölförderung einzuhalten und die Grundrechte der Menschen in den Ölgebieten zu achten.

Demokratiebemühungen des neuen Militärmachthabers Abdulsalam Abubakar:

Nach Entlassung des noch von Abacha eingesetzten Kabinetts im Juli 1998 teilte Abubakar mit, daß alle politischen Gefangenen freigelassen und alle Parteien aufgelöst seien, desgleichen die sogenannte Wahlkommission. Alle Amtspersonen, die unter Abachas Regime ins Amt kamen, werden entlassen. Die Justiz soll unabhängig werden. Für 1999 kündigte er demokratische Wahlen an, nach denen Mitte 1999 ein ziviler Präsident die Regierung bilden solle.


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Quellen:

Das Parlament Nr. 18-19 12./13. April 1996: In Nigeria dreht sich alles nur ums Öl

Rolf Hofmeier und Mathias Schönborn (Hrsg.): Politisches Lexikon Afrika. München: Beck 2. durchges. Aufl. 1985 (Beck`sche Schwarze Reihe; Bd. 281)

IAP 03/02 und 01/12

Internationales Handbuch - Länder aktuell Munzinger-Archiv, D 8814 Ravensburg, Hans-Züricher-Weg 7

Haller Tagblatt: 98-05-09, 98-07-09, 98-07-13, 98-07-22, 98-11-13, 99-02-23, 99-03-02, 01-10-25, 01-10-26
2006-01-26



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Stand: 07-08-24
Letzter Bearbeiter: J. Gierich
Frühere Bearbeiter: Ute Hägele / Volker Rabe, Jürgen Gierich, Daniela Brehm/(2003)
Erika Westdickenberg, Lena Strehle, Simone Wais, Yvonne Reiger, Katrin Seubert (2005)
Grafik: "Unsere Erde" von Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: nigeria/nigeria.htm