Der historische (?) Stammeskonflikt in Zaire

Ein nicht zur Ruhe kommender Stammeskonflikt zwischen den Tutsi und den Hutu.
Seit 1997 gibt es Zaire nicht mehr - es wurde durch die "Demokratische Republik Kongo" abgelöst. Der Konflikt "in Zaire" ist seitdem beendet, aber die Fortsetzung ist unter "Demokratische Republik Kongo" zu finden.

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Zeitraum

Der letzte Konflikt begann mit der Ankündigung Zaires, die Banyamulenge, einen Zweig der Tutsi, die schon mehr als 200 Jahre in der Region um Uvira lebten, des Landes zu verweisen. Daraufhin griffen die Banyamulenge Hutu-Flüchtlinge in einem Missionskrankenhaus und in ihren Lagern an. 1997 wurde der Konflikt durch die Neugründung des Staates "Demokratische Republik Kongo" beendet.


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Ursachen

In Ruanda und Burundi lebten seit Jahrhunderten die Hutu. In beiden Ländern herrschten jedoch Militärregierungen der Tutsi, die die übergroße Mehrheit des Hutu-Volkes unterdrückten, in Ruanda seit Juni 1994, in Burundi seit einem Militärputsch im Juli 1996. Die Hutu waren deshalb in den Osten Zaires eingewandert und weigerten sich, in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Die Ursache für den Dauerkonflikt war nicht nur das Mißtrauen zwischen der Hutu-Mehrheit und Tutsi-Minderheit, sondern auch das Problem der sehr unterschiedlichen Bevölkerungsdichte. In Ruanda und Burundi lebten auf einem Quadratkilometer mehr als 200 Menschen, in Zaire, dem zwölftgrößten Flächenstaat der Erde, waren es dagegen nur 18 Menschen pro Quadratkilometer.


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Konfliktparteien


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Verlauf des Konflikts

Zwei Millionen Hutu waren auf der Flucht aus den Nachbarländern Ruanda und Burundi. Mit mehr als einer Million Flüchtlinge ist Ost-Zaire Hutuland geworden.

Es fanden Kämpfe zwischen zairischen Regierungstruppen und bewaffneten Tutsi-Banden statt. Die Rebellen des Tutsi-Stammes der Banyamulenge, die seit Tagen der Armee Zaires im Osten des Landes heftige Gefechte lieferten, hatten zum Sturz des Regimes des Zairischen Diktator Mobutu Sese Seko aufgerufen, sie waren dabei, sich mit bewaffneten Gruppen anderer Stämme zu vereinen. Ihr Ziel war die Eroberung der strategisch wichtigen Ortschaft Bukavu.

Tutsi-Rebellen hatten die Städte Rutshuru bei Goma und Uvira unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Anführer der Banyamulenge-Rebellen hatte eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, aber die Rebellen würden wieder zu den Waffen greifen, wenn die zairischen Regierungstruppen weiter kämpften.

Im Mai 1997 trat der Konflikt in seine entscheidende Phase: Laurent Kabilas Rebellenarmee rückte nach der Einnahme von über drei Viertel Zaires immer näher an die Hauptstadt Kinshasa. (Kabilas Truppe ist aus einer kleinen Guerillatruppe des Banyamulenge-Stammes hervorgegangen und wuchs zur "Befreiungsarmee von Kongo" (ALC) heran.)


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Die traurige Bilanz:

Von 1995 bis 1997 gab es mehr als eine Million Todesopfer in der ostafrikanischen Seen-Region. Von Hunger und Seuchen bedroht, zogen Hunderttausende von Kriegsflüchtlingen in Zaire ohne jede Hilfe immer weiter ins Landesinnere.

In Zaire drohte eine humanitäre Katastrophe und Hungersnot, weil UN-Flüchtlingshilfswerke wegen Gefechten ihre Aktivitäten in einigen Lagern ausgesetzt hatten. Die anhaltenden Kämpfe verhinderten die Versorgung der Flüchtlinge, eine von der UN geplante Luftbrücke wurde abgesagt. Rund 70 spanische Missionare und Entwicklungshelfer, die seit Beginn der Kämpfe in Ostzaire festsaßen, wollten das Land nicht verlassen.

Vor den Kämpfen waren nicht nur mehr als 200 000 Ruander und Burunder, sondern auch tausende Zairer auf der Flucht.

Mitarbeiter der Vereinten Nationen hatten mit der Vorbereitung von Hilfseinsätzen im ostzairischen Kriegsgebiet begonnen, aber humanitäre Hilfe war wegen der Kämpfe in dem Gebiet ohne die Entsendung einer internaionalen Interventionstruppe nicht möglich. Mehrere Nachbarländer in der Region haben inzwischen Partei für die Hutu ergriffen, während Uganda als Tutsi-freundlich galt. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hatte seine Hilfsangebote für Rückkehrer in Ruanda ausgeweitet.

Durch die Flucht des Diktators Mobuto und die Regierungsübernahme durch den Rebellenführer Laurent Kabila hat sich die politische Lage in Zaire einschneidend verändert. Zaire heißt seit dem 20. Mai 1997 Demokratische Republik Kongo. Die Weiterentwicklung ist auf dieser Seite zu verfolgen.


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Quellen

Haller Tagblatt 1997-05-05



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Stand: 2005-05-08
Letzter Bearbeiter: J. Gierich
Frühere Bearbeiter: Heike Welzel / Simone Mönnig (2002)
Grafik: "Unsere Erde" von Rudas & Karig (Verlag Markt & Technik)
Datei: kongodr/zaire.htm